Sport : Sand bringt Hoffnung

Schalkes Stürmer schießt beim 5:1 im Uefa-Pokal drei Tore – Olaf Thon fordert mehr Einfluss

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Trennungen wecken oftmals Hoffnungen oder wenigstens Illusionen, gerade im Fußball. Bei Schalke 04 schürte die Entlassung von Trainer Jupp Heynckes jedoch zunächst nur die Wut bei den Fans. Am Oberrang der Nordkurve hing ein Transparent, das mit einem Wortspiel die Stimmung an der Basis ausdrückte. „Mannschaft ohne Leidenschaft – Management, das Leiden schafft.“

Auch das Hinspiel in der ersten Uefa-Pokalrunde gegen FHK Liepajas Metalurgs besserte die Stimmung zunächst nicht. Die Schalker begannen ähnlich schlecht wie in den Wochen zuvor. Doch Ebbe Sand, der Publikumsliebling, flößte den Westfalen wieder Zuversicht ein. Beim 5:1 (1:1) gegen den lettischen Tabellenführer kehrte der dänische Stürmer, der seine Hirnhautentzündung auskuriert hat, eindrucksvoll in die Mannschaft zurück. Sand erzielte drei Treffer. Die weiteren Tore schossen Levan Kobiaschwili und Gerald Asamoah. Trotz des klaren Sieges ließen sich jedoch nicht alle Fans versöhnen. Kurz vor Schluss hielten einige ein Spruchband hoch, das wie eine Abrechnung mit den Spielern wirkte. „Stevens, Neubarth, Wilmots, Heynckes – vier Alibis. Schämt euch.“

Als erster Schalker war am Donnerstag abend Olaf Thon in die Offensive gegangen. Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff betrat der frühere Mannschaftskapitän den Presseraum der Schalke-Arena und kündigte an, dass er am Freitag mit Manager Assauer sprechen werde, um mehr Einfluss zu verlangen. „Ich werde ihn bitten, mir eine verantwortliche Position zu übertragen“, sagte Thon, „ob als Trainer oder als Manager, ist egal.“ Bei der Trennung von Jupp Heynckes habe der Vorstand ihn wieder einmal in eine wichtige Personalentscheidung nicht eingebunden. Thon fühlt sich seit längerem übergangen, wenn es um die Besetzung wesentlicher Positionen geht. „Die Zeit ist reif, dass ich mich einbringe“, sagte Thon, er wäre bereit als Teamchef das Training zu übernehmen. Der frühere Nationalspieler wird im Dezember das Examen zum Fußball-Lehrer absolvieren.

Vorerst bestimmen die beiden Kotrainer Eddy Achterberg und Oliver Reck Taktik und Aufstellung – in Absprache mit Assauer und Teammanager Andreas Müller. Dieses Vierergremium werde mindestens für drei Spiele die Richtlinienkompetenz ausüben, hat Assauer angekündigt. Der Vorstand lasse sich bei der Trainersuche nicht unter Zeitdruck setzen und werde in den nächsten Tagen „nicht die Initiative ergreifen, sagte Assauer. „Gespräche führen wir nur dann, wenn sich jemand sehr stark aufdrängt.“ Huub Stevens ist das nicht, der frühere Schalker Trainer, bekundete kein Interesse an dem Job.

Thon hat sich am Donnerstag öffentlich und sehr forsch ins Gespräch gebracht, ähnlich wie Lothar Matthäus vor einigen Wochen beim Deutschen Fußball-Bund. Diese Art der Selbstdarstellung ist nicht gerade der Königsweg, sich bei Assauer als Führungskraft zu bewerben. „Olaf Thon wird im Moment nicht gebraucht“, sagte Assauer, „die Art und Weise, wie er sich ins Spiel bringt, gefällt mir nicht“, sagte der Manager. Thon war sich eines Risikos bewußt. Sein Vorpreschen könne auch dazu führen, dass er nach dem Gespräch mit dem Manager „nicht mehr weiter bei Schalke“ sei.

siehe auch Meinungsseite

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