Sport : Sand im System

Beachvolleyballer melden vor der Hallen-EM höhere Ansprüche an

Karsten Doneck

Berlin. Die Debatte beginnt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, angestoßen vom ehemaligen Bundestrainer Olaf Kortmann. „Der Verband sollte sich mal überlegen, ob er nicht viel mehr auf Beachvolleyball setzen sollte und nicht weiter alles den Hallenmannschaften in den Hintern schiebt“, hat Kortmann der „Süddeutschen Zeitung“ erzählt. Ihn mögen egoistische Motive treiben, schließlich trainiert er die Beach-Europameisterinnen Stephanie Pohl und Okka Rau. Dass Kortmann ausgerechnet jetzt, da sich von Freitag an in Karlsruhe und Leipzig die Volleyballer zur Hallen-Europameisterschaft treffen, an der Förderung des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) herummäkelt, dürfte Werner von Moltke kaum gefallen. Der DVV-Präsident hat im Vorfeld in so ziemlich jedem Interview deutlich gemacht, dass er diese EM als Werbung für den Volleyballsport hier zu Lande versteht.

Deutschland soll sich für die Endrunde in Berlin (13./14. September) qualifizieren. So lautet das Ziel. Dazu ist in der Vorrunde gegen Italien, Frankreich, Spanien, die Slowakei und Tschechien mindestens Platz vier nötig, Platz zwei würde das Team ins Halbfinale bringen. Den Wert des Indoor-Volleyballs ausgerechnet jetzt herabzusetzen im Vergleich zu den Spielen im Sand, wird bei solch ehrgeizigen Vorhaben als äußerst störend empfunden. „Es wäre fatal, wenn wir die Sportart in sich splitten. Wir sollten Beach- und Hallenvolleyball als gegenseitige Ergänzung sehen“, sagt Kaweh Niroomand, Manager beim Deutschen Meister SC Charlottenburg.

Für die deutsche Mannschaft wird es ohnehin nicht leicht. Zwar hat sie im Vorfeld den Titelverteidiger Serbien-Montenegro in Trier mit 3:2 bezwungen. Aber das war nur ein Testspiel, immerhin „gut für das Selbstvertrauen“, wie Stelian Moculescu sagt. Der Bundestrainer muss bei der EM auf die verletzten Stefan Hübner und Björn Andrae verzichten. Um mit einem kompletten Zwölferkader in die Titelkämpfe zu gehen, wurden Nachnominierungen fällig. Georg Wiebel und Jochen Schöps kamen neu hinzu. Wobei der 19-jährige Schöps gut eingespielt zur Mannschaft stößt. Er kommt direkt aus Teheran, wo er an der Europameisterschaft der „Unter 21-Jährigen“ teilgenommen hat.

Stefan Hübner, Profi in Italien, hat seinen Gewinn an Freizeit, entstanden durch seinen Ermüdungsbruch im Schienbein, genutzt, um ebenfalls Kritik zu üben. Den Deutschen warf er mangelnde Professionalität im Volleyball vor und rühmte die Verhältnisse in Italien als beispielhaft. Niroomand ärgert das. „Er sollte nicht vergessen, wo er herkommt“, sagt der SCC-Manager. Und: „Jeder, der meint, jetzt seinen Quark dazugeben zu müssen, handelt selbst unprofessionell.“

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