Sport : Sandra Völker und Franziska van Almsick trennen Welten

Richard Janssen

Im Wasser hat Sandra Völker eindeutig das Sagen. An Land ist Franziska van Almsick für sie unerreichbar. Deutschlands Vorzeigeschwimmerinnen trennen Welten. Hier die eher kühle Hamburgerin, mit 25 Jahren erfolgreiche Titel- und Medaillen-Sammlerin der Gegenwart - von Sponsoren und Medien vernachlässigt. Dort die attraktive junge Berlinerin, erfolgreichste Titel- und Medaillen-Sammlerin der Vergangenheit - von Sponsoren und Medien umgarnt. Geschätzte 17 Millionen Mark sind die Werbeverträge der Franziska van Almsick wert, Sandra Völker muss hingegen froh sein, wenn sie ein Zehntel davon schafft. Die Medaille hat zwei Seiten.

Franziska van Almsick sagt dazu: "Geld allein macht nicht glücklich." Sie will den Erfolg, sie will "schnell sein" im Wasser. Sie hat sich über Gold mit den Freistil-Staffeln in Istanbul gefreut, sie will sich und der Welt aber beweisen, dass sie auch allein noch erfolgreich sein kann. Mit 14 Jahren ist die Berliner Göre 1992 in Barcelona zu Olympia-Silber geschwommen, mit 15 hat sie in Sheffield sechs EM-Titel an Land gezogen, als Sechzehnjährige holte sie in Rom mit Weltrekord den Weltmeistertitel über 200 m Freistil: eine traumhafte Karriere. Jetzt zwei Siege und ein zweiter Platz mit den Staffeln, aber zwei achte Plätze über 100 m Freistil und Schmetterling - das ist nicht ihre Welt: "Ich bin Europarekordlerin und komme als Letzte aus dem Wasser, das sagt ja wohl alles."

Mit 21 will sie sich nicht zur Ruhe setzen. Das Geld beruhigt, doch es befriedigt nicht. 1:56,78 Minuten - dieser Weltrekord ist ihr Maß. Zum ersten Mal nach 14 Monaten ist die durch einen Unfall 1997 aus der Bahn geworfene Berlinerin in Istanbul in der Staffel wieder unter die Zwei-Minuten-Marke geschwommen. Das macht Mut. Dass sie wegen verpasster Qualifikation im Einzelrennen zusehen musste, tat weh. Die Zweifler machen ihr zu schaffen. Van Almsick hat deshalb eine Bitte: "Glaubt an mich."

Das Vertrauen im Wasser gilt Sandra Völker. "Wenn Sandra mitschwimmt, geht es für die anderen nur noch um Platz zwei", meint die Magdeburgerin Antje Buschschulte. Über 100 m Freistil musste sich Sandra Völker in Istanbul zwar trotzdem geschlagen geben und mit Bronze begnügen, über 100 m Rücken schwamm sie aber schon wieder wie geplant vorneweg. Und die EM gekrönt hat sie mit ihrem Weltrekord über 50 m Rücken. Sie ist Schwimmprofi, plant präzise ihre Saison. Im April Kurzbahnweltmeisterin in Hongkong, im Juni Weltrekord über 50 m Rücken in Monte Carlo, im August Europameisterin in Istanbul. "Ich bin stolz auf meine Leistungen", sagt Sandra Völker. In Sydney will sie ihre Karriere mit Olympia-Gold krönen. Alle trauen es ihr zu.

Der Weg zu den Geldtöpfen bleibt ihr dennoch versagt. "Franziskas Popularität hat nichts mit Schwimmen zu tun", hat Sandra Völker gesagt, "das ist so, und damit kann ich leben." Erfolg und Popularität der Franziska van Almsick haben viele Gründe: Riesentalent, richtige Ausbildung in der Schwimmschule DDR, genau zur deutschen Einheit auf dem Sprung in die Weltklasse, ehrgeizig und kämpferisch, dazu jung, hübsch, erfrischend frech und mit dem richtigen Management. Das ist nicht nur im Schwimmen so: Man muß sich verkaufen können. Andere Qualitäten kommen erst danach.

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