Sport : Sanfte Besserung

Bei den German Open ruhen die deutschen Hoffnungen auf Anna-Lena Grönefeld

Benedikt Voigt

Berlin - Anna-Lena Grönefeld blickte sich ratlos um. Die deutsche Tennisspielerin sollte nach der Auslosung für die Katar German Open einem regionalen Fernsehsender ein Interview geben. Andererseits postierte sich gerade Scheich Mohammed Bin Faleh Al-Thani vor der Sponsorenwand für ein Foto mit der deutschen Fedcup-Teamchefin Barbara Rittner. Was nun, schien Anna-Lena Grönefeld zu überlegen, das Interview geben oder sich aufs Foto stellen? Unsicher ging sie auf dem Kunstrasen ein paar Schritte in Richtung Kamera, dann blieb sie stehen. Schließlich nahm ihr Rittner die Entscheidung ab. Sie rief: „Anna-Lena, komm hierher!“

Schüchtern hat sich das deutsche Damentennis bei der Auslosung für die heute beginnenden German Open in Berlin präsentiert. Einen Rückschluss auf die Qualitäten als Spielerin lässt der zurückhaltende Auftritt von Anna-Lena Grönefeld aber nicht zu. Im Gegenteil, die langjährige Weltranglistenerste Steffi Graf bestritt öffentliche Auftritte auch nur unwillig. Die Position in der Weltrangliste besitzt mehr Aussagekraft, weshalb sich für das deutsche Damentennis Erfreuliches konstatieren lässt: Grönefeld hat sich seit Ende 2005 von Rang 21 auf Rang 14 vorgearbeitet, Julia Schruff von Rang 80 auf 54, Martina Müller von Rang 109 auf 90. Eigentlich geht es für das deutsche Damentennis sanft aufwärts – wäre da nicht die überraschende Fedcup-Pleite gegen die USA (2:3) gewesen.

„Da haben wir eine Riesenchance vertan“, sagt Rittner. Die Fedcup-Teamchefin wird bei den German Open das Abschneiden ihrer Spielerinnen verfolgen. Immer noch schmerzt sie die Niederlage gegen die USA. „So eine Chance bekommst du nur einmal in zehn Jahren“, sagt Rittner. Danach kam es noch schlimmer. Die Mannschaft um Grönefeld muss nun bei der aufstrebenden Tennisnation China antreten. In Athen gewann das chinesische Doppel Gold, im Januar siegte es bei den Australian Open. An diesem Wochenende gab es sogar das erste rein chinesische Finale bei einem WTA-Turnier in Estoril, das Jie Zheng gegen die verletzt aufgebende Na Li gewann. „Wir sind nur Außenseiter, ein Sieg in China wäre eine Überraschung“, sagt Rittner, „eigentlich gehören wir auch nicht zu den besten acht Nationen der Welt.“

Wo ihre Spielerinnen tatsächlich stehen, darüber können die German Open Auskunft geben. „Wir müssen versuchen, uns bei den Grand-Slam-Turnieren oder den Turnieren in Deutschland gut zu präsentieren“, sagt Rittner. Die Voraussetzungen sind dafür in Berlin nicht schlecht, neben der gesetzten Julia Schruff stehen Sandra Klösel, Martina Müller und Sabine Lisicki mit Wild Cards im Hauptfeld. Die größten Hoffnungen aber ruhen auf Grönefeld. Als Nummer acht der Setzliste steigt sie erst in der zweiten Runde ein, und trifft auf die Siegerin der Partie Sandra Klösel gegen Catalina Castano. Zuletzt in Charleston war sie erstmals in ihrer Karriere gesetzt, prompt stieß sie bis ins Halbfinale vor. Anfang März in Acapulco gewann sie sogar erstmals ein WTA-Turnier. Doch große Pläne hat sie bei den German Open nicht: „Ich denke hier nur von Runde zu Runde.“

Für Barbara Rittner bleibt Grönefeld die neue Führungsspielerin im deutschen Tennis, auch wenn sie zuletzt im Fedcup enttäuscht hatte. Ihr nervöser Auftritt gegen die 80. der Weltrangliste, Jamea Jackson, hatte die deutsche Niederlage eingeläutet. „Jeder hat solche Spiele“, sagt Grönefeld. Rittner ergänzt: „Das ist eine Erfahrung, die man machen muss, ich hoffe sie lernt daraus.“ Beim Fedcup hatte Rittner eine Auseinandersetzung mit Grönefelds Trainer Rafael Font de Mora. Er hatte von Rittner verlangt, seine Spielerin härter anzugehen. „Es war ihm zu soft“, sagte Rittner, „aber seine Art, mit der Spielerin umzugehen, ist nicht meine Natur.“ Font de Mora betone eher die Fehler, während sie lieber das Positive herausstelle. „Er glaubt, dass sie sonst zu schnell zufrieden sein könnte“, berichtet Rittner. Eine generelle Kritik am Trainer ihrer besten Spielerin sei das nicht. „Er ist ein gigantischer Trainer, genau der richtige für Anna-Lena“, sagte sie. In Berlin wolle sie noch einmal Font de Mora sprechen. Denn am wichtigsten sei, dass Grönefeld weiter für Deutschland spiele.

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