Sascha Lewandowski trainiert den 1. FC Union : Kopf und Bauch

Sascha Lewandowski ist neuer Trainer des 1. FC Union. Auf ihm lastet ein enormer Erfolgsdruck. Ein Kommentar.

Sebastian Stier
Unions neuer Trainer Sascha Lewandowski könnte die Mannschaft aus dem Tabellentief führen.
Unions neuer Trainer Sascha Lewandowski könnte die Mannschaft aus dem Tabellentief führen.Foto: Foto von Mathias Renner/City-Press GbR

Auf diesen Mann darf sich der 1. FC Union was einbilden. Sascha Lewandowski gilt als eines der größten Trainertalente Deutschlands. Seine Vorstellung vom Fußball ist von moderner Prägung. Angreifen sollen seine Mannschaften, möglichst schnell, mit möglichst wenig Ballkontakten. Antizipieren, umschalten, von Abwehr auf Angriff, von Angriff auf Abwehr – alles in Sekunden. Zuletzt waren mehrere Bundesligisten an ihm interessiert. Ausgerechnet so ein vielfach Umworbener schließt sich nun einem Zweitligisten an.

Einem, der noch nie in der Bundesliga gespielt hat und der aktuell im unteren Drittel der Tabelle herumdümpelt. Die Personalie zeigt, welches Ansehen und welchen Stellenwert der 1. FC Union mittlerweile im deutschen Profifußball genießt. Umfeld und Rahmenbedingungen stimmen, die Atmosphäre im Stadion sowieso. Der Klub aus Köpenick ist bereit für den nächsten Schritt, der da heißt Bundesliga.

Was den Bekanntheitsgrad angeht, ist Lewandowski das Gegenteil zu seinem Vorgänger Norbert Düwel, dessen Name nur wenigen Experten im Vorfeld etwas sagte.

Bei genauerem Hinsehen sind aber durchaus Gemeinsamkeiten vorhanden. Lewandowski gehört wie Düwel zur jungen Generation der Konzepttrainer, hervorragend ausgebildet, fit in allen theoretischen Belangen und reich an Visionen. Düwel scheiterte bei seiner ersten Station als Cheftrainer einer Profimannschaft an der täglichen Praxis, weil er keinen Draht zu den Spielern fand und Defizite in der Personalführung hatte. Lewandowski gilt als moderaterer Typ, aber auch er muss sich noch als Cheftrainer beweisen.

Die meiste Zeit seiner Karriere verbrachte er im Jugendbereich, Leverkusens erste Mannschaft betreute er ein Jahr lang gemeinsam mit Sami Hyypiä, später übernahm er für ein paar Monate allein den Posten und führte den Klub in die Champions League. Lewandowski war der Kopf, Hyypiä der Bauch. Beim 1. FC Union wird Lewandowski Kopf und Bauch gleichzeitig sein müssen, ein kompletter Trainer, der sein theoretisches Wissen mit kompetenter Mitarbeiterführung zu vereinen weiß.

An ihm ist es nun, die ehrgeizigen Ziele des Vereins zu erreichen. Gelingt ihm das nicht, hätte das zumindest vorübergehend einen Karriereknick zur Folge. Druck hat aber nicht nur Lewandowski. Präsident Dirk Zingler muss beweisen, dass er sich nach der Übergangslösung Düwel nun für einen Trainer entschieden hat, der länger als 15 Monate an der Alten Försterei wirken kann. Sascha Lewandowski und der 1. FC Union, die Verbindung verspricht viel.

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