Sawa gegen Wambach : Es kann nur eine geben

Das Finale sah das Duell der beiden Stars dieser Weltmeisterschaft. Am Ende übertrumpft Japans Homare Sawa die amerikanische Stürmerin Abby Wambach.

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Homare Sawa wurde mit fünf Treffern Torschützenkönigin der WM.
Homare Sawa wurde mit fünf Treffern Torschützenkönigin der WM.Foto: AFP

Wenn die Hymne erklingt, muss die Hand aufs Herz. Da sind sich die Japanerin und die US-Amerikanerin einig. Dennoch könnte die Gestik unterschiedlicher nicht sein. Während Homare Sawa, die knallbunt lackierten Fingernägel auf ihr dunkelblaues Trikot gelegt, andächtig die Augen schließt, singt Abby Wambach wenige Minuten später „The Star-Spangled Banner“ in bester US-Manier aus tiefster Kehle mit. Sie waren bei dieser WM die bestimmenden Feldspielerinnen ihrer Teams, nicht nur, weil sie jeweils die meisten Tore schossen. Für die 32-jährige Homare Sawa und die ein Jahr jüngere Abby Wambach wird diese WM wohl die letzte sein. Und nur eine von ihnen würde sich an diesem Sonntagabend in der bestmöglichen Weise verabschieden können: als Weltmeisterin. Am Ende ist es Sawa, die triumphiert, und auch noch Torschützenkönigin wird.

Zuvor beginnen die beiden ihr erstes Finale nervös. Auch Wambach war beim bislang letzten Titel der USA 1999 noch nicht dabei. Und für die Japanerinnen ist es ohnehin das erste Finale. Beide glänzen zu Beginn zunächst lediglich mit Fehlpässen.

Abby Wambachs Tor zum 2:1 reicht am Ende nicht zum Sieg für die USA.
Abby Wambachs Tor zum 2:1 reicht am Ende nicht zum Sieg für die USA.Foto: AFP

Allerdings sortiert sich Wambach schnell, während Sawa bis zur Schlussphase ungewohnt unsicher wirkt. Der sonst so wichtigen Schaltstelle im Mittelfeld, fehlt der gewohnte Überblick. Die 1,64 Meter große Japanerin lässt sich weit zurückfallen, scheint mehr aufs Verteidigen und Passgeben aus als auf den eigenen Abschluss. Doch auch das gelingt nicht. Dafür fuchtelt die Kapitänin unentwegt mit den Armen herum und weist ihre Mitspielerinnen an.

Wambach hingegen ist spätestens zehn Minuten nach dem Anpfiff voll im Spiel. Vor jedem Eckball und jedem Freistoß richtet die 1,81 Meter große Stürmerin sich das Haarband, klebt die kurzen braunen Haare noch mal fest an die Stirn, um sich vorzubereiten für einen ihrer wuchtigen Kopfbälle. Doch die Bälle kommen anfangs noch selten auf ihren Kopf an diesem Abend. Einige gute Gelegenheiten mit dem Fuß hat sie, bis es in der 64. Minute endlich soweit ist: Der Kopf von Abby Wambach gibt dem Ball nach einer Ecke trotz guter Deckung einen perfekten Bogen, doch Ayumi Kaihori fischt den Ball gerade noch aus dem Tor.

Auf der anderen Seite fehlen den Japanerinnen die überlegten Pässe von Homare Sawa, die zu spät ins Spiel findet. Die mit Abstand älteste Japanerin auf dem Feld gleicht das aus, indem sie ihr Team nach 50 Minuten vor dem Rückstand bewahrt. Als Alex Morgan den Ball an den kurzen Pfosten setzt, klärt die Frau mit dem langen Zopf anstelle ihrer geschlagenen Torhüterin auf der Linie.

Gegen Ende allerdings blitzt ihr Talent für den richtigen Pass im richtigen Moment immer öfter auf. Ihre beste Szene hat Sawa nach 60 Minuten, als sie wie im Viertelfinale gegen Deutschland die Abwehr mit einem Lupfer aushebelt, die angespielte Kinga daraus aber nichts machen kann. Erst in der Verlängerung, als Japans Kräfte schwinden, kommt der Kopf von Wambach immer öfter zum Zuge. Und, wie könnte es anders sein, in der 104. Minute ist es eben jener Kopf, der den Ball aus dem Stand zum 2:1 ins Tor wuchtet. Wieder ist es Alex Morgan, die ihr den Ball perfekt auf den Scheitel zwirbelt.

Als es wenig später in die zweite Hälfte der Verlängerung geht, kommt Wambach auf den Platz gehüpft, als wäre alles schon entschieden. Doch dann ist es Sawa, die nach einer Ecke trifft. Ihr Treffer zum 2:2 macht sie zur Torschützenkönigin und rettet Japan ins Elfmeterschießen. Obwohl Wambach dort als einzige Amerikanerin trifft, muss sie am Ende trauern, während Sawa jubelt.

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