Sport : SC Charlottenburg: Quote machen mit Volleyball

Karsten Doneck /Werner Raith

Die Vorleistungen sind beträchtlich. Rund 40 000 Mark, so hat Geschäftsführer Günter Trotz vorab mal überschlagen, muss Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg für jedes Heimspiel in der neu geschaffenen Champions League vorstrecken. Drei Heimspiele gibt es in der Vorrunde, das letzte heute (19 Uhr, Sömmeringhalle) gegen Italiens Meister Ford B. Gesu Rom. 120 000 Mark wird der SCC also für das Kräftemessen auf europäischer Ebene ausgegeben haben. Eine Summe, die rund ein Achtel des Saisonetats ausmacht. Lohnt sich der immense Geldeinsatz? "Unsere Teilnahme ist eingebettet in ein Gesamtkonzept, das unseren Sport in Deutschland populärer machen soll", sagt Trotz. Und Werbemaßnahmen erfordern nun mal auch Geldmittel.

Die Champions League bildet dabei nur den Anfang. Teil zwei des Volleyball-Werbefeldzugs beginnt im Mai, wenn die deutsche Nationalmannschaft der Herren gegen die USA und Brasilien wieder in der Weltliga mitmischt. Abgerundet wird die Kampagne durch die 2003 hier zu Lande stattfindende Europameisterschaft. Und vielleicht gelingt es dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) ja auch noch, im nächsten Jahr - wie geplant - die Weltmeisterschaft der Damen auszurichten. Zurzeit droht das Vorhaben daran zu scheitern, dass der DVV die vom Weltverband geforderten Fernsehübertragungszeiten nicht gewährleisten kann.

Italiens Volleyball hat diesen Aufwärtstrend, den sich die Deutschen erst hart erarbeiten müssen, bereits Anfang der 90er Jahre vollzogen. Je zweimal war man Welt- und Europameister. In Kleinstädten wird das lokale Volleyballteam inzwischen oft von mehr Fans auf ihren Reisen zu Auswärtsspielen begleitet als der örtliche Fußballklub. Kleinere Fernsehsender haben die Übertragungen der Spiele längst als Quotenhit entdeckt und verlangen mittlerweile reichlich Geld für Werbeeinblendungen.

Aber die Leistungen der Vereinsmannschaften sind auch in Italien Schwankungen unterworfen. Beispiel: Ford B. Gesu Rom. Die Mannschaft war im vorigen Jahr Meister, bewegt sich nun aber in Liga eins zwischen dem dritt- und viertletzten Platz. Für den jähen Absturz der Römer kennt Günter Trotz zumindest einen Grund. "Die hatten einige kubanische Spieler dabei, aber Fidel Castro hat denen Ausreiseverbot erteilt."

Dem SCC seinerseits gefällt das Champions-League-Dasein durchaus. "Wir haben eine gute Zuschauerresonanz und fast 50 Minuten Fernsehpräsenz pro Heimspiel, wenngleich die Übertragungen erst zur Nachtschicht kommen", sagt Manager Kaweh Niroomand. Und die finanzielle Seite? Niroomand: "Wir haben einkalkuliert, dass wir in der Champions League kein Plus machen." Mit nur einem Sieg aus bisher vier Partien ist der SCC Gruppenletzter. Bleibt die Mannschaft nach den beiden ausstehenden Spielen - der letzte Auftritt folgt am 24. Januar in Istanbul - auf dieser Position, steigt sie ab. Damit würde der DVV in der nächsten Saison in der Champions League auch einen seiner beiden Startplätze einbüßen. Wo bleibt da bloß der Werbeeffekt?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben