Sport : SC Charlottenburg: Wenigstens nicht aus dem Fenster springen

Karsten Doneck

Die Stimmung bei Marco Liefke war düster. Der SC Charlottenburg hatte in der Volleyball-Champions-League "in dem besten Spiel, das ich je in Berlin gesehen habe", so Geschäftsführer Günter Trotz, die Hände zum Himmel gereckt, aber dann unglücklich mit 2:3 gegen Ford B. Gesu Rom verloren. Liefke, einmal mehr der überragende Mann in der Sömmeringhalle und Punkt für Punkt für den SCC herausschmetternd, hatte beim Stande von 13:13 im fünften Satz zweimal den gegnerischen Block angeschlagen. Und zwar so, dass der Ball im Feld der Charlottenburger aufprallte. Zwei Punkte also zum 15:13 für die Römer - die Niederlage für den von 2000 Zuschauern stimmgewaltig unterstützten und erstaunlich widerstandsfähigen Gastgeber war besiegelt. "Irgendwie beraubt man sich selbst der größten Erfolge, wenn man solche Fehler macht", haderte Liefke mit seinem doppelten Missgeschick.

Eine halbe Stunde später erfuhr der 26-Jährige das Ergebnis der beiden anderen Gruppengegner. Iraklis Saloniki gegen Arcelik Istanbul 3:2 - der SCC hätte selbst bei einem Sieg gegen Rom keine Chance mehr auf den Einzug ins Viertelfinale gehabt. "Dann", so tröstete sich Liefke mit müdem ^Lächeln, "brauche ich ja wenigstens nicht mehr aus dem Fenster zu springen."

Das Kapitel Champions Laegue ist für den SCC geschlossen, das letzte Gruppenspiel am nächsten Mittwoch bei Arcelik Istanbul nur noch eine Abschiedsvorstellung. Abschied von Europa - für wie lange wohl? Es bleibt unbestritten, dass gerade junge Spieler wie Sven Glinker und Norbert Walter solche Vergleiche wie gegen Rom oder Istanbul brauchen, um auf internationalen Standard zu kommen. Aber: Wird der SCC, was wahrscheinlich ist, nur Gruppenvierter, darf der Deutsche Volleyball-Verband zur nächsten Saison nur noch eine Mannschaft in die Champions League entsenden. Und das wird der Deutsche Meister sein.

Meister wird wohl auch in diesem Jahr wieder der die Bundesliga eindeutig dominierende VfB Friedrichshafen. Oder? "Wenn wir auf diesem Level wie gegen Rom auch in der Bundesliga spielen, werden wir ohne Probleme um die Meisterschaft mitspielen", meint SCC-Trainer Brian Watson. Auch Marco Liefke packt unbändiger Ehrgeiz. Für ihn sind gegen Friedrichshafen ohnehin ein paar Rechnungen offen. "Wir haben", sagt Liefke, "von denen im Vorjahr ganz schön auf die Fresse gekriegt." Dreimal 0:3 lauteten die Play-off-Ergebnisse im Finale um die Meisterschaft zwischen SCC und VfB. "Wir müssen die einfach mal schlagen", fordert Liefke. Die nächste Gelegenheit dazu lässt nicht lange auf sich warten: am 11. Februar finden sich die Friedrichshafener zum Spitzenspiel der Normalrunde in Berlin ein.

Marco Liefke wird übrigens nachgesagt, er sehe seine sportliche Zukunft in Italien. Tatsächlich? "Wahrscheinlich", sinniert er, "muss ich es irgendwann mal probieren. Ich traue mir das ja durchaus auch zu." Aber da existieren auch Zweifel. Liefke: "Ich fühle mich wohl beim SCC, hier habe ich meine Ruhe."

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