Sport : SC Charlottenburg: Zwischen Umbruch und Ausverkauf

Karsten Doneck

Auf die Begriffe kommt es an. Ausverkauf - das klingt Kaweh Niroomand zu negativ. "Was bei uns passiert, würde ich eher als Umbruch bezeichnen", sagt der Manager des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg. Wie die Dinge letztlich auch genannt werden - fest steht, dass beim SCC zur nächsten Saison im personellen und strukturellen Bereich erhebliche Veränderungen geplant sind. Für Niroomand ist das ein ganz simples Rechenverfahren. "Wenn wir zwei, drei neue Spieler dazuholen, dann müssen wir uns auch von zwei, drei anderen trennen", sagt er. Das Konzept für die Zukunft reduziert sich freilich zunächst auf die Frage: Kann Marco Liefke gehalten werden? Der Nationalspieler war beim 3:1-Überraschungssieg im ersten Play-off-Halbfinale über den VfB Friedrichshafen schlicht überragend. Der 26-Jährige, der beim SCC nicht von ungefähr die Nummer 1 auf dem Trikot trägt, hegt Absichten, nach Italien oder Belgien zu wechseln.

Liefke steht beim SCC noch bis 2002 unter Vertrag. Was in Zeiten von Ablösesummen nicht viel bedeutet. "Marco stellt sehr hohe Ansprüche - an sich selbst und an die Mannschaft", sagt Niroomand. Ansprüche, die der SCC in dieser Saison nicht annähernd erfüllt hat. Die Mannschaft endete in der Bundesliga-Hauptrunde auf dem enttäuschenden fünften Platz, verließ in 18 Spielen achtmal als Verlierer die Halle. "Klar, dass Marco mit dieser Entwicklung nicht zufrieden ist", gesteht Niroomand. Solche Unzufriedenheit fördert Abwanderungsgedanken. Dennoch: Der SCC will um Liefke kämpfen. "Ob Marco bleibt, hängt davon ab, welche sportliche Perspektive wir ihm bieten können", sagt Niroomand. Im Klartext: Der SCC muss seine Mannschaft so verstärken, dass der Verein künftig in der Bundesliga-Spitze mitspielt. Doch eine solche Mannschaft aus dem Boden zu stampfen, ist auch eine Frage der Finanzen. Und daran hapert es beim SCC.

Immer mehr zeichnet sich ab, dass sich der Klub nach Saisonschluss von Trainer Brian Watson trennen wird. Zwar dementiert Niroomand derlei Gerüchte, doch Gespräche über eine Weiterbeschäftigung des Trainers gab es bisher nicht. "Wir haben das vertagt", sagt der Manager. Selbst ein versöhnlicher Saison-Abschluss würde Watsons Stellung beim SCC keineswegs festigen. "Er ist jetzt drei Jahre bei uns. Seine Arbeit bewerte ich nicht anhand von nur drei, vier Spielen", sagt Niroomand. Eine elegante Lösung der Trainerfrage bahnt sich indes an: Bundesliga-Rivale ASV Dachau soll Interesse haben, Brian Watson zu verpflichten.

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