Sport : SC Freiburg: Das Gesicht des neuen SC Freiburg

Stefan Hermanns

Zum Ende seines ersten großen Auftritts äußerte Sebastian Kehl noch einen Wunsch in eigener Sache. Er habe "die Bitte an die Medien, den Ball flach zu halten", sagte Kehl zu den Journalisten im Bremer Weserstadion. Zwei Monate sind seitdem vergangen: Sebastian Kehl vom SC Freiburg hatte gerade im Anschluss an seine erste Bundesligasaison das erste A-Länderspiel für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bestritten. Eine solch rasche Karriere verleitet die Medien schon einmal dazu, den Ball in Tribünendachhöhe zu schießen. Bei Kehl war das nicht anders.

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Online-Umfrage: Gucken Sie Bundesliga zukünftig lieber auf Premiere? Wer in diesen Tagen bei Oliver Büser vom SC Freiburg anruft und Sebastian Kehl sprechen möchte, wird auf einen Termin in etwa sechs Wochen vertröstet. Büser ist Medienbeauftragter beim Sportclub und muss den Journalisten zurzeit häufiger erklären, dass man "den Sebastian bewusst herausgenommen" habe. Mehr als 30 Prozent der Anrufer, die bei ihm landen, so sagt Büser, wollten einen Gesprächstermin mit Kehl haben.

Sebastian Kehl ist so etwas wie das Gesicht des neuen SC Freiburg: Er ist jung und erfolgreich, und repräsentiert schon dadurch bestens einen Verein, der sich in der vorigen Saison das Image erworben hat, jung und erfolgreich zu sein. Kehl hat vor etwas mehr als einem Jahr mit Hannover 96 noch in der Zweiten Liga gespielt, inzwischen ist er Nationalspieler und gilt bereits als potenzielle Verstärkung für den deutschen Rekordmeister Bayern München. "Alle wollen was von ihm", sagt Freiburgs Trainer Volker Finke. "Irgendwo ist das ja natürlich." Und trotzdem hat Finke für Kehl beschlossen, dass er jetzt "ein paar Monate ruhiger zu treten" habe.

Dabei ist es nicht so, dass Sebastian Kehl besonders gefährdet wäre, den Verlockungen der Glitzerwelt für neureiche Fußballprofis zu erliegen. Kehl ist schon mit 16 aus seinem 600-Einwohner-Heimatdorf in der Rhön nach Hannover gezogen, hat dort alleine gelebt, sein Abitur gemacht und sich durchgebissen. Rudi Völler, der Teamchef der Nationalmannschaft, attestierte Kehl nach seinem Länderspiel-Debüt "ein Selbstbewusstsein an der Grenze zur Frechheit".

Es geht Freiburgs Trainer Volker Finke auch gar nicht darum, Kehl vor dem Durchdrehen zu bewahren, es geht darum, "dass man ihm als Verein hilft", mit einer unbekannten Situation umzugehen. Kehl ist 21, einen Monat jünger noch als Sebastian Deisler. "Muss man der Bunten als Fußballer ein Interview geben?", sagt Finke. "Das wissen junge Spieler doch nicht." Solche Entscheidungen werden Kehl jetzt vom Verein abgenommen. Der sagt im Moment: Man muss nicht. Finke hat deswegen "null Stress" mit Kehl, und wenn er erst mal "Mitte 20 geworden ist, kann er machen, was er will".

Vielleicht ist es Finke auch gar nicht so recht, dass sich das Interesse am SC Freiburg auf einen Einzelnen fokussiert. Der Erfolg der vorigen Saison mit der Qualifikation für den Uefa-Cup ist der Erfolg der ganzen Mannschaft. Allerdings weiß Freiburgs Trainer selbst, dass in solchen Fällen immer einzelne Spieler besonders davon profitieren. Nach Freiburgs erstem Aufstieg waren es Jens Todt und Rodolfo Cardoso; im Moment ist es Sebastian Kehl. Man weiß nie, wie die Kollegen auf eine solche Vorzugsbehandlung reagieren. "Die einen so, die anderen so", sagt Finke. Einige seien in dieser Hinsicht schon sehr anfällig, und "es gibt auch Spielerfrauen, die achten darauf".

Sebastian Kehl selbst versucht alles zu verhindern, um in der Öffentlichkeit als größenwahnsinniger Schnösel dazustehen. Nach der Qualifikation für den Uefa-Cup ließ er sich die dunklen Haare strohblond färben. Es war ein Jux, und es wäre auch nicht weiter aufgefallen, weil Kehl nur noch mit der U 21 hätte spielen sollen. Dann wurde er überraschend in die Nationalelf berufen. Ganz Deutschland schaute plötzlich auf Kehls blonde Haare. Zumindest hatte er den Eindruck. Und es war ihm gar nicht recht.

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