SC Freiburg : "Es wäre schön, wenn wir vom Personenkult wegkommen"

Vor einem Jahr trat Robin Dutt in Freiburg das schwere Erbe von Volker Finke an. Tagesspiegel Online spricht mit dem Trainer über den schwierigen Übergang, die Aufstiegspläne und die Hoffnung der Freiburger-Fans auf einen echten Torjäger.

Robin Dutt
Robin Dutt will mit seinem Team aufsteigen. -Foto: dpa

Was sind die Perspektiven für die neue Saison? Die Mannschaft soll sich im Trainingslager ja den Aufstieg als Ziel gesetzt haben.


Das stimmt. Und ich sehe mich als Teil der Mannschaft. Dementsprechend ist der Aufstieg ein gemeinsames Ziel, da ist auch das Trainerteam gemeint.

Nach nur einem Jahr ist, bis auf Daniel Schwaab, die komplette Mannschaft ausgewechselt worden. Als Fan kann man da schon Sorge bekommen, Borussia Mönchengladbach oder Kaiserslautern sind ja mahnende Beispiele. Warum die Zäsur?

Letztes Jahr hat man sich schon große Sorgen gemacht, weil da bereits die Hälfte des Kaders nicht mehr zur Verfügung stand. Wenn man zweimal hintereinander den Aufstieg knapp verpasst, dann wechseln Spieler in die erste Liga. Die Befürchtungen, die damit verbunden waren, sind aber nicht eingetreten. Wir haben trotzdem bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg mitgespielt. Das hat uns keiner zugetraut. Jetzt gehen wieder drei Stammspieler in die erste Liga. Dafür sind wir auch gut entlohnt worden. Wir hätten auch sagen können: Nein, wir geben die Spieler nicht ab, aber als Ausbildungsverein ist man immer wieder auf Transferentschädigungen angewiesen. Im Gegenzug haben wir im letzten Jahr zehn Eigengewächse mit einem Profivertrag ausgestattet.

Sie haben mit Suat Türker einen ausgewiesenen Torjäger in die Mannschaft geholt. Wird er endlich der Goalgetter sein, den sich die Freiburger Fans seit langer Zeit wünschen?

Ich bin kein Hellseher. Wir haben uns für ihn entschieden, weil er bei seinen bisherigen Stationen seine Qualitäten gezeigt hat. Aber natürlich muss er sich bei uns erst beweisen. In der Vorbereitung war er jedenfalls der beste Torschütze. Um auch in der Liga Top-Leistungen abzurufen, muss natürlich in seinem neuen Umfeld alles für ihn passen.

Wird sich denn die Spielweise verändern? Wie soll das Spielsystem aussehen?

An unserer Grundhaltung einer offensiven Spielausrichtung wird sich nichts ändern. Diese Philosophie liegt nicht nur der Profimannschaft zugrunde, auch in der Fußballschule rücken wir davon nicht ab. Das hat vielleicht zur Folge, dass man das eine oder andere Kontertor bekommt, aber das offensive Spiel ist Teil unserer Ausbildungsphilosophie: Ballbesitz hat bei uns absolute Priorität. Gerade weil wir offensiv orientiert sind, haben wir Suat Türker geholt, der unser Spiel zum Abschluss bringen soll. Er ist mit seinen 1,78 Metern ja kein Stoßstürmer, den wir mit langen Bällen bedienen wollen. Er ist ein spielender Stürmer, der am Boden seine Qualitäten hat. Die Spieler, die wir für die Offensive geholt haben, sind alle eher klein - das sagt einiges über unsere Spielphilosophie aus.

Nach der Ablösung von Finke und den Querelen, die damit verbunden waren, haben viele gesagt: Für einen neuen Trainer ist es die denkbar schlechteste Situation, die Mannschaft zu übernehmen. Wie haben sie das erlebt?

Ich erlebe das Umfeld des Vereins vom ersten Tag ungemein positiv. Es macht richtig Spaß, in Freiburg Trainer zu sein und es gibt bestimmt schwierigere Aufgaben und Vereine mit stärkerem Druck. Ich will nicht mehr über meinen Antritt vor einem Jahr reden, nur soviel: Von all dem, was überregional berichtet wurde, konnte ich in Freiburg eigentlich nichts bemerken. Der Sport-Club pflegt eine andere Kultur, eine sachlichere, die vielleicht ein halbes Jahr mal emotional durcheinander gewirbelt wurde. Inzwischen haben sich fast alle Aufgeregtheiten wieder eingepegelt. Wir hatten am 5. August in einem Freundschaftsspiel gegen die Nationalmannschaft von Kuba, die ja nicht zur internationalen Weltspitze gehört, 8000 Zuschauer im Stadion. Das sagt schon einiges über den SC aus.

Was charakterisiert den SC Freiburg?

Wenn man in Zukunft über den SC spricht, würden wir uns wünschen, dass man sagt: 'Der Verein steht für ein großes Teamwork.' Das wollen wir vorleben. Wir haben eine Fußballschule, die nicht mit der zweiten Mannschaft abgeschlossen ist. Sie ist auch durchlässig in Richtung Profikader. Die A-Jugend ist Deutscher Meister geworden, die zweite Mannschaft ist aufgestiegen. Wir haben viel Qualität sowohl im Bereich der Spieler, als auch bei unseren Nachwuchstrainern. Es wäre schön, wenn wir wegkommen vom Personenkult, der allgemein um die Cheftrainer veranstaltet wird. Die Spieler sind keine Pappfiguren, die nur hin und her geschoben werden.

Wie lange möchten Sie in Freiburg bleiben?

Ich fühle mich hier jedenfalls pudelwohl. Für mich sind hier alle Voraussetzungen erfüllt, um im Profifußball etwas zu bewegen. Letztlich ist es eher die Frage, wie lange ich hier arbeiten darf.

Sie haben indische Wurzeln. Macht der Einblick in einen anderen kulturellen Background das Arbeiten mit ausländischen Spielern leichter?

Mein Vater ist Inder. Ich bin in Deutschland geboren, aufgewachsen und kann leider kein Hindi sprechen. Trotz allem weiß ich natürlich einiges über das Heimatland meines Vaters. Beim ersten Kennenlernen mit ausländischen Spielern können meine Wurzeln eventuell Türen öffnen. Eine Qualität in der Beziehung zweier Menschen wird dann aber erst im dauerhaften Zusammenleben und -arbeiten zementiert. Egal, welche Herkunft jemand hat: es muss menschlich passen. Die Nationalität spielt dabei keine Rolle.

Das Interview führte Amir El-Ghussein

0 Kommentare

Neuester Kommentar