SC Freiburg gegen Hertha BSC : Ein Gegner als Geschenk

Die verunsicherten Freiburger könnten Hertha BSC am Sonntag nach zwei Niederlagen Aufbauhilfe geben. Auch Trainer Jos Luhukay freut sich auf die Auswärtsfahrt: "Gott sei Dank ist das unser nächster Gegner."

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Wieder nicht geklappt. John Anthony Brooks (l.) erzielte das letzte Hertha-Tor nach einer Ecke, gegen Stuttgart blieb er glücklos.
Wieder nicht geklappt. John Anthony Brooks (l.) erzielte das letzte Hertha-Tor nach einer Ecke, gegen Stuttgart blieb er glücklos.Foto: dpa

Natürlich hat Jos Luhukay alles gesehen: Einen Torwart, der sich den Ball selbst ins Netz faustet. Einen Rückpass, der den gegnerischen Stürmer direkt vor dem eigenen Tor bedient. Eine Gelb-Rote Karte für zwei Handspiele in nur 80 Sekunden. Ob der Trainer von Hertha BSC beim Fernsehstudium der Europapokalpartie des SC Freiburg gedacht hat „Gott sei Dank ist das unser nächster Gegner“, das wollte er tags darauf nicht verraten.

„Das waren unerklärliche Fehler“, sagte Luhukay nur, „da lief am Ende des Spiels nicht viel zusammen.“

Man darf den SC Freiburg, Europapokalteilnehmer und Überraschungsteam der Vorsaison, am Sonntag durchaus als Gegner zur richtigen Zeit für die Berliner bezeichnen, die nach zuletzt zwei Niederlagen Aufbauhilfe brauchen könnten. Einen Helfer wie Freiburg, der nach Abgängen vieler Leistungsträger sieglos Vorletzter der Bundesliga ist und auch beim 2:2 gegen Slovan Liberec wenig Besserung zeigte. „Wir kämpfen momentan um alles: um Punkte, um Nerven, um körperliche Stabilität“, sagte SC-Trainer Christian Streich nach dem ersten Freiburger Europapokalauftritt seit zwölf Jahren. Damals stiegen sie am Ende der Saison ab.

Sind internationale Aufgaben nun Vor- oder Nachteil für kleinere Klubs, Befreiung vom Alltag oder zusätzliche Belastung, Jos Luhukay? „Letzteres“, antwortete der Trainer, um dann zu relativieren. „Ob wir davon profitieren und wie der letzte Gegner Tore geschenkt bekommen, wissen wir erst nach dem Spiel.“ Er hatte auch die erste Hälfte gesehen, als Freiburg gut spielte und 2:0 führte, „vielleicht nehmen sie daraus Vertrauen mit“. Ohnehin will Luhukay nicht auf die Verunsicherung des Gegners bauen.

„Wir müssen aus eigener Kraft defensive Stärke finden und das eine oder andere Tor erzielen“, fordert der Trainer. Zumindest am zweiten Teil der Aufgabenstellung scheiterte Hertha zuletzt, blieb gegen Wolfsburg und Stuttgart torlos. Eine dritte Niederlage in Folge könnte das gute Startgefühl in der Bundesliga gleich wieder zunichtemachen. „Wir wollen das mit einem Punktgewinn umbiegen, am liebsten mit einem Sieg.“ Dafür sieht Luhukay die Berliner auf gar keinem so schlechten Weg, er habe sich die Statistik des letzten Spiels angeschaut, „überragend, wir haben nur zwei Chancen zugelassen, nur vor dem Tor hat uns die letzte Entschlossenheit und Zielstrebigkeit gefehlt“.

In der Zweiten Liga standen die Berliner öfter Gegnern gegenüber, die ähnlich defensiv agierten wie die Stuttgarter zuletzt im Olympiastadion. Da waren es dann oft Standardsituationen, die zum erlösenden 1:0 führten und die Gegner auch mal über die Mittellinie zwangen. „Bis jetzt gelingt es uns noch nicht, da gefährlich zu werden“, sagt Luhukay. In den bisherigen fünf Spielen fiel nur ein Tor nach einem Eckball oder Freistoß, das 2:0 von John Anthony Brooks zum Start gegen Frankfurt. Auffällig ist, dass die Berliner generell seltener in Standardsituationen kommen. „Die Qualität ist höher in der Bundesliga, es gibt weniger Fouls in der entscheidenden Zone“, sagt Luhukay. Die wenigen Standards müssen dann sitzen. „Da brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, oft fehlte nur das letzte Quäntchen Glück.“

Die Gefahr sollte sich erhöhen, wenn mit Sebastian Langkamp voraussichtlich ein kopfballstarker Abnehmer für Standards ins Team zurückkehrt. Oder ein Freiburger hilft unfreiwillig mit.

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