SC Freiburg in der Europa League : Erzwungener Genuss

Für den SC Freiburg kommt der Europapokal nach dem Fehlstart in der Liga etwas ungelegen. Doch Neuzugang und Motivator Mike Hanke fordert vor allem auch, "die Europa League zu genießen".

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Freude pur? Freiburgs Mike Hanke.
Freude pur? Freiburgs Mike Hanke.Foto: dpa

Dass Mike Hanke in die Rolle des Animateurs schlüpft, empfinden die meisten in Freiburg als Wohltat. Vor allem im Augenblick, da es für seinen Klub nicht so läuft, wie es sich alle im Breisgau wünschen. Der schlechte Start in der Liga drückt auf die Stimmung. Selbst Trainer Christian Streich wirkt einmal betrübt, dann besorgt und sogar ratlos. Öffentlich sagt es keiner, aber viel mehr als an die Europa League am Donnerstag (21.05 Uhr, live bei Kabel1) gegen Slovan Liberec, den ersten internationalen Auftritt seit fast zwölf Jahren, denken Trainer und Spieler an die Bundesliga und das Spiel am Sonntag gegen Hertha BSC. Mancher spricht das offen aus, allerdings erst, wenn Kameras und Mikrofone weggepackt sind und die Gefühle raus müssen. Ihre geheime Botschaft: Drei Punkte in der Bundesliga sind derzeit wichtiger.

Das Freiburger Stadion wirkte dieser Tage wie eine Baustelle. 10.000 Stehplätze mussten in 4000 Sitzplätze umgewandelt werden, um Sicherheitsauflagen für internationale Spiele zu erfüllen. Es wurde gebohrt, geschraubt und gesägt. Das erfordert Zeit und Energie, ganz zu schweigen von den Kosten. Diese machen den Freiburgern aber am wenigsten Sorgen. Dass die Zuschauer nicht unbedingt Schlange stehen, um die Europa League zu sehen, hat Gründe, trägt aber zur seltsamen Stimmung rund um die Partie gegen Liberec bei. Schon am Sonntag wird Bundesliga gespielt, Mittwoch Pokal gegen den VfB Stuttgart und am Samstag Liga bei Borussia Dortmund. Ein Spiel, das als besonderes Erlebnis gilt, für das sich viele Fans Karten gekauft haben. Da spart man sich lieber die Europa League, zumal die spät angepfiffen und live im Fernsehen übertragen wird. Große Euphorie sieht anders aus.

Genau das sieht Mike Hanke jedoch nicht so dramatisch. Im Gegenteil. Der Stürmer, selbst leicht angeschlagen und kaum fit für 90 Minuten, spricht von einer Chance. Eine Aussage, der man sich in Freiburg gerne anschließt. „Ob ich nun zwei Stunden trainiere oder 90 Minuten spiele, ist eigentlich egal. Ein Spiel ist die Chance, sich zu finden und durch einen Sieg in die Spur zu kommen“, sagt Hanke. Denn genau darum geht es beim Vorletzten der Liga. Die Europa League, meint der Ex-Nationalspieler, könnte der Auftakt zur Wende sein. Noch klingt das wie eine mutige Prognose.

Normalform zu zeigen gelingt aber selten, seit der Kader in der Sommerpause verändert werden musste, weil einige Stammspieler gingen. Seitdem ringen Streich und sein Team um Stabilität. Bisher schafft es der SC nicht, eine gesunde Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden. Und die Spieler, die für die Hoffnung auf Besserung stehen, wie die beiden Tschechen Vaclav Pilar und Vladimir Darida, kämpfen mit Verletzungen. Darida könnte frühestens gegen Hertha erstmals auflaufen.

Manchmal schimmert durch, wie sehr Streich der „alten“ Mannschaft und dem berauschenden Spiel nachtrauert, zu dem der SC vor wenigen Monaten noch fähig war. Jetzt türmt sich ein Berg ungeklärter Fragen auf, in den sich nur zaghaft Zuversicht mischt. Was Streich zu schaffen macht. Der SC spielt wie ein Suchender, der seine Richtung nicht finden kann. Deshalb tut jeder Satz von Mike Hanke gut. Es hilft, die Europa League aus einer pragmatischen Perspektive zu betrachten, obwohl der erste Reflex der ist, sie als störend zu empfinden. „Wir sind selbstbewusst genug, um gegen Liberec zu gewinnen“, sagt Hanke – und dann, was alle sagen: Die Bundesliga sei die „Lebensversicherung“ für den Verein. Motivator Hanke fordert aber sofort danach auf, „die Europa League zu genießen“. Es klingt in Freiburg derzeit wie der dringende Aufruf, trotz aller Sorgen doch endlich Lust auf Europa zu verspüren.

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