SC Freiburg : Schlecht fürs Betriebsklima

Der SC Freiburg sorgt sich um seine Zukunft - zwischen Manager Dirk Dufner und Trainer Christian Streich schwelt schon länger ein Streit.

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Wütendes Wunderkind. Trainer Streich hat derzeit in Freiburg wenig Spaß.
Wütendes Wunderkind. Trainer Streich hat derzeit in Freiburg wenig Spaß.Foto: dpa

Dass der SC Freiburg anders ist als die meisten Profifußballclubs, haben viele in der Branche schon immer für ein hübsches Märchen gehalten. Eines aber lässt sich nicht leugnen. Im südwestlichen Zipfel der Republik geht es meistens ein bisschen ruhiger und beschaulicher zu als an anderen Standorten. Im Moment aber ist die Idylle ein wenig weniger idyllisch als sonst. Dass der Sportclub an diesem Mittwoch (20.30 Uhr, ARD und Sky) beim VfB Stuttgart im Pokalhalbfinale steht, rückte ohnehin schon in den Vordergrund. Aber auch sonst ist einiges los in Freiburg. Es geht um Macht und Einfluss – und darum, festzulegen, wer im schlimmsten Fall den Misserfolg zu verantworten hätte.

Genau das passiert beim Sportclub, obwohl der Verein zum ersten Mal das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht hat und auch in der Bundesliga die Chance hat, die Saison auf einem Europapokalplatz abzuschließen, bei einem Etat von gerade 18 Millionen Euro. Zu klären wäre bei der Analyse der aktuellen Streitigkeiten, wie tief die Gräben im Breisgau sind und, warum ein Mann wie Christian Streich gerade jetzt viel dafür tut, sie noch zu vertiefen. Streich? Dieser Wundermann, der erst Talente in der Freiburger Fußballschule entwickelte und sich nun mit seinen früheren Schülern in der Bundesliga auf Erfolgskurs befindet? Der Mann, der als Arbeitstier gilt und den nicht das Ergebnis, sondern nur die Art und Weise des Spiels interessiert?

Auslöser des vorerst noch leichten Bebens ist der drohende Ausverkauf einer erfolgreichen Mannschaft: Jan Rosenthal zu Eintracht Frankfurt, Max Kruse nach Mönchengladbach. Dazu wohl auch: Daniel Caligiuri zum VfL Wolfsburg und Johannes Flum nach Frankfurt. Weitere stehen im Verdacht, ebenfalls noch zu gehen. Einige der Abgänge hatten Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen. Streich hat auf dieses Problem wortreich hingewiesen – so wortreich, dass das Betriebsklima in Gefahr gerät. Immerhin ist Sportdirektor Dirk Dufner für die Vertragsgestaltung zuständig.

„Ich mache mir Gedanken darüber, wie wir eine Mannschaft zusammenkriegen sollen, mit der wir die Klasse halten können“, sagt Streich mit Blick auf die neue Saison. Seit Tagen spricht er darüber. Und das, nachdem er sein Verhältnis zu Dufner eine Spur zu nüchtern beschrieben hat: „Er macht seine Arbeit, ich meine.“ Mit einem Schlag rückte das angespannte Verhältnis zweier Männer in den Vordergrund, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Romantiker trifft auf Realist.

In Freiburg müht man sich, die Differenzen herunterzuspielen. „Ich bin Christian nicht böse, ich kann ihn verstehen“, sagt Dufner. Er sei sich sicher, dass es beim SC weitergehen wird, so, wie es auch in den vergangenen Jahren weitergegangenen ist. Und auch Clubchef Fritz Keller sagt: „Ich sehe keine Differenzen. Der SC wird, ohne neues Stadion, ein Durchlauferhitzer bleiben. Um das zu ändern, müssen wir die Strukturen verbessern. Wir sind ein Ausbildungsverein. Spieler wie Max Kruse hätten wir ohne Ausstiegsklausel nicht bekommen. Diese Erkenntnis tut weh, aber gehört zu Freiburg.“ Kruse, der für 2,5 Millionen Euro nach Mönchengladbach wechselt, war vor der Saison für 500 000 Euro aus St. Pauli gekommen. Ein Versäumnis des Managers sieht Keller nicht: „Ich kann es keinem Spieler verübeln, wenn er dorthin geht, wo er das Fünf- oder Sechsfache verdient.“

Vor kurzem hat Dufner zu den unterschiedlichen Sichtweisen gesagt: „Es ist unsere Aufgabe, die Spieler möglichst zu halten. Gelingt das nicht, darf die Welt bei uns nicht untergehen, das weiß Christian natürlich.“ Mit weiteren Abgängen wegen Ausstiegsklauseln sei nicht zu rechnen, sagt Dufner. Christian Streich wird es freuen.

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