Sport : SCC verliert – und freut sich über Rang zwei

Karsten Doneck

Berlin - Stelian Moculescu ist ein kühler Taktiker. Nachdem sich seine Mannschaft, der VfB Friedrichshafen, überraschend für das Finalturnier in der Champions League qualifiziert hatte, gönnte er den Spielern ganz bewusst eine kleine Nachlässigkeit. Folge: eine 1:3-Niederlage beim VV Leipzig, gleichbedeutend mit dem Verlust der Tabellenführung in der Volleyball-Bundesliga. „Macht nichts“, sagte Moculescu – wohlwissend, dass der Schaden durch einen Heimsieg gegen den härtesten Meisterschaftsrivalen, den SC Charlottenburg, rasch wieder behoben werden konnte. Moculescus Plan ging auf. Friedrichshafen schlug am Samstagabend den SCC mit 3:0 (25:15, 31:29, 25:21) und wird, wenn nichts Unvorhergesehenes mehr passiert, als Tabellenerster in die Play-offs gehen.

„Die waren aggressiver, irgendwie frischer“, sagte auch Günter Trotz, der Geschäftsführer des SCC, anerkennend. Die Charlottenburger hatten nur einmal eine reelle Chance, das Spiel in die andere Richtung zu drehen. Aber Sebastian Prüsener, ohnehin „ziemlich neben der Spur“ (Trotz), verschlug bei einer 24:23-Führung leichtfertig den Satzball. Negativ machte sich beim SCC bemerkbar, dass Trainer Mirko Culic in der Woche zuvor seine Spieler im Kraftraum mächtig getrietzt hatte. Auch diese Maßnahme geschah wohlüberlegt. Die Mannschaft soll sich in den Play-offs körperlich topfit präsentieren.

Es müsste schon ein mittleres Wunder geschehen, wenn sich der SCC als amtierender Deutscher Meister und der VfB Friedrichshafen als abgelöster Abonnementsmeister nicht im Finale erneut begegnen. Die Bilanz in dieser Saison spricht deutlich für die Friedrichshafener. Sie gewannen drei von vier Aufeinandertreffen mit dem SCC, das Pokalfinale in Bonn eingerechnet. Nur in ihrem - bislang einzigen - Heimspiel gegen den VfB behielten die Charlottenburger mit 3:1 die Oberhand.

Sonderlich aufgeregt reagiert beim SCC auf die bisherigen Resultate niemand. „Abgerechnet wird nach hinten raus“, sagt Günter Trotz ziemlich unbekümmert. „Uns ist es ja gar nicht mal unangenehm, nur Zweiter zu sein. In der Serie Best of five im Finale müssen wir doch nur unsere Heimspiele gewinnen und dazu dann noch ein Auswärtsspiel.“ Als wenn das gegen den VfB Friedrichshafen so einfach wäre.

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