SCC-Volleyballer : Über den Wolken

Die Volleyballer des SCC haben gegen Aufsteiger Giesen allzu leichtes Spiel.

Karsten Doneck

Berlin - Einmal konnte sich auch Michael Mücke ein Lächeln nicht verkneifen. Im zweiten Satz hatte Henning Wegter einen Ball statt ins gegnerische Feld hoch über das Netz in Richtung Hallendecke geschlagen. Die Regie in der Sömmeringhalle reagierte und ließ kurzerhand Reinhard Meys Lied „Über den Wolken“ über die Lautsprecher erklingen. Ansonsten erlebte der Trainer des Aufsteigers TSV Giesen im Spiel der Volleyball-Bundesliga beim SC Charlottenburg wenig Amüsantes. Seine Mannschaft, völlig überfordert, ging beim SCC vor 1450 Zuschauern mit 0:3 (9:25, 14:25, 11:25) jämmerlich unter.

Die Frage, ob ihm das einseitige Spiel denn Spaß gemacht habe, beantwortete SCC-Trainer Michael Warm mit einem eindeutigen: „Nein!“ Und er stellte auch gleich noch die Sinnfrage. „Einen Zweitligisten in der Bundesliga zu etablieren, das ist nicht gut für die Bundesliga insgesamt“, sagte er im Rückblick auf das in diesem Spiel besonders deutlich zutage getretene Leistungsgefälle. Die Charlottenburger brauchten sich nicht mal sonderlich anzustrengen, um ihren Kontrahenten derart zu demütigen.

Lediglich im zweiten Satz schlichen sich bei den SCC-Spielern kurzzeitig mal ein paar Konzentrationsschwächen ein. Aber selbst aus dieser Phase konnte der TSV Giesen keinen rechten Nutzen ziehen. Schon bald flogen die Bälle wieder im Einbahnverkehr ins Feld der Niedersachsen. Aleksandar Spirovski konnte im dritten Satz für den SCC sogar mal fünf Asse in Folge platzieren – aus einem 7:3 wurde somit ein 12:3.

„Wir hatten zu viel Respekt vor den Aufschlägen des Gegners, dadurch ist meine Mannschaft verkrampft“, analysierte Michael Mücke eher lau und fand: „Der SCC hat keine Luft rangelassen.“ Zu einem ernsthaften Aufbäumen fehlte den Gästen aber auch nahezu alles: Die Annahme war dürftig, der Block kaum vorhanden, den Angriffsaktionen fehlte jegliche Dynamik.

Der SCC hat letztlich eine Pflichtaufgabe solide bestanden. Ein Spiel, das die Mannschaft in ihrer Entwicklung voranbringt, war es mit Sicherheit nicht. Noch acht Tage zuvor hatten sich die Charlottenburger an der hohen Schule des Volleyballs versucht – und waren beim Deutschen Meister VfB Friedrichshafen selbst mit 0:3 gescheitert. Die Niveau-Unterschiede von Friedrichshafen zu Giesen sind riesig. Zu riesig? „Es gibt ja sogar Überlegungen, die Bundesliga weiter aufzustocken. Ich finde das blöd“, sagte Kaweh Niroomand, der Manager des SCC, unter dem Eindruck der Überlegenheit der eigenen Mannschaft gegen Giesen.

Der SCC wird im Verlauf dieser Woche umdenken müssen. Mit dem Moerser SC erscheint am nächsten Sonntag ein Gegner in der Sömmeringhalle, der sich leistungsmäßig ungefähr auf Augenhöhe bewegt. „Da werden wir wieder hart gefordert“, kündigte Niroomand an.

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