Berliner Sport : SCC-Volleyballer entlassen Trainer

Die Volleyballer des SC Charlottenburg trennen sich nach vier Jahren von Trainer Michael Warm

Frank Bachner

Am vergangenen Donnerstag schon ahnte Michael Warm, was passieren würde. Da saß der Trainer des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg mit der Führungsspitze der Vereins in einem Restaurant in Berlin. Plötzlich sagte SCC-Manager Kaweh Niroomand zu Warm: „Es ist noch nicht entschieden, ob wir deinen Vertrag verlängern.“ Am Montagabend war alles klar, Warm hörte die Entscheidung am Telefon. Niroomand teilte ihm mit: Die Zusammenarbeit ist beendet. Vier Jahre war Warm Trainer des SCC, wurde dreimal Dritter der Meisterschaft und 2008 Vizemeister, jetzt erhält das Team einen neuen Coach. Noch, sagt Niroomand, steht dessen Name nicht fest.

Im Kern scheiterte der Trainer an den Ergebnissen. „Konzeptionell, strategisch, da war Michael Warm sehr gut“, betont Niroomand. „Aber Sie können den engagiertesten Vertriebsmann haben, wenn das Verkaufsergebnis nicht stimmt, nützt das nichts.“ Das Verkaufsergebnis von Warm lautete nach dieser Saison: Platz drei, im Kampf um den Finaleinzug knapp am VfB Friedrichshafen gescheitert, dem späteren Deutschen Meister. Doch Manager Niroomand hätte gerne den Titel gehabt, wenigstens aber Platz zwei.

Und Warm? Für den ist es – logisch - „die falsche Entscheidung“. Er wäre „der richtige Mann gewesen“. Alles eine Frage der Perspektive. Pflicht war für Warm „mit dieser Mannschaft“ nur Platz drei. Das Finale aber, „das kann man erreichen“. Man musste es aber nicht. Seine Bilanz nach vier Jahren beim SCC; „Wir haben das Projekt Volleyball in Berlin sehr gut vorangebracht.“

Aber nach vier Jahren, das sagt Niroomand auch, sei es auch strategisch an der Zeit, „mal einen Schlussstrich zu ziehen und etwas Neues zu beginnen“. Er denkt da in größeren Dimensionen. Nicht bloß der Trainer muss gehen, auch von mehreren Spielern, die in Berlin ausgebildet wurden und jetzt seit Jahren im Team spielen, will er sich trennen. Klar ist jetzt schon, dass Mittelblocker Marcus Böhme zum schärfsten Konkurrenten VfB Friedrichshafen wechselt. Und klar ist auch, dass ein Talent des VC Olympia zum SCC kommen wird.

Druck von Sponsoren, sagt Niroomand, habe es bei der Personalie Warm nicht gegeben. Der größte Sponsor ist wahrscheinlich sowieso Niroomand. Der Etat des Teams lag bei rund 950 000 Euro, eine beträchtliche Summe davon kommt von Niroomands Konto. Und der Manager muss permanent um Bedeutung in der Sportstadt Berlin kämpfen. Bei diesem Kampf sind Auftritte in der Schmeling-Halle überaus wichtig. Doch die, sagt Niroomand, machen medial und finanziell nur Sinn, wenn der SCC sportlich erfolgreich ist.

Tja, was ist erfolgreich? An dem überragenden VfB Friedrichshafen kommt keiner vorbei, sagt Warm. Also geht’s um den Platz dahinter. Wer da dauerhaft steht, sei auch erfolgreich. Und wer steht da? „Wir haben uns in Deutschland dauerhaft als Nummer zwei etabliert.“ Sagt Michael Warm. Frank Bachner

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