Halbfinale : Die Angst des SCC vor den harten Schlägen

Verliert der SCC heute beim Halbfinal-Spiel der Play-off-Serie gegen den Rekordmeister VfB Friedrichshafen, ist die Saison für den Verein beendet.

Frank Bachner

BerlinSie haben mitten aufs Spielfeld einen Kasten gestellt, darauf stand ein Spieler und hämmerte aus dem Stand auf den Ball wie ein Hufschmied auf das heiße Eisen. In der Nähe des Tisches standen abwechselnd die Annahmespezialisten des SC Charlottenburg und versuchten, den Ball kontrolliert weiterzuleiten. So haben sie es gestern wieder trainiert beim SCC, wie so oft. Aber diesmal war es mehr als eine Pflichtübung.

Denn heute, bei seinem zweiten Halbfinal-Spiel der Play-off-Serie, trifft der Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg auf den Rekordmeister VfB Friedrichshafen (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Verliert der SCC, dann ist er ausgeschieden. Das erste Spiel hat der SCC auch deshalb verloren, weil Sung-Min Moon, der südkoreanische Nationalspieler beim VfB Friedrichshafen, im fünften Satz gleich fünf Punkte mit seinen extrem harten Aufschlägen erzielt hatte. Und er ist nicht der Einzige, der die gegnerischen Annahmespieler so brutal unter Druck setzen kann. Diagonalangreifer Georg Grozer beherrscht diese Kunst genauso.

Diese Kunst, sagt SCC-Trainer Michael Warm, gehöre zum Kern der Philosophie von VfB-Trainer Stelian Moculescu. Harte Aufschläge, die verhindern, dass der Gegner sofort ins Spiel kommt, so sieht die bevorzugte Taktik des früheren Bundestrainers aus. Genau deshalb hatte Warm nochmal besonders intensiv die harten Aufschläge simuliert.

Er hat einen Vorteil: Diese Aufschläge sind auch sehr risikoreich. In Friedrichshafen erzielte der VfB zwar neun Asse, doch er hatte zugleich auch 26 Fehler beim Aufschlag. Die Berliner hatten nur fünf Asse, dafür aber auch nur 15 Fehler. Sie dosieren ihr Risiko stärker als die Schwaben.

Die richten sich auf ein schweres Spiel ein. Der SCC, den sie im ersten Halbfinale 3:2 besiegten, hatte nichts mehr mit jenem Team zu tun, das sie in der normalen Runde 0:3 abfertigten.

Der VfB flog am Freitagnachmittag von Zürich nach Berlin, eine ungewöhnliche Route, aber sie machte Sinn aus Sicht von Moculescu. In Friedrichshafen hätte er wegen der Verbindungen nach Berlin früher losfliegen müssen. Er wollte am Freitag aber unbedingt noch in der eigenen Halle trainieren. In dieser Halle veranstalteten 2700 VfB-Fans am Mittwochabend einen Riesenlärm. Doch in der Schmeling-Halle wird die Kulisse heute größer sein. Beim jüngsten Duell schon feuerten 7700 Fans den SCC an. Georg Grozer hat es nicht vergessen, es hat ihn schwer beeindruckt. „Das letzte Mal war es unglaublich“, sagt er. „Und dieses Mal wird es wieder krass sein, das macht es für uns nicht einfach.“ Frank Bachner

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