Kampf um Platz zwei : Für den SCC geht es um alles

Der SC Charlottenburg spielt am Sonntag gegen Leipzig – und nach dem Verlust der Tabellenführung auch um die Zukunft des Volleyballs in Berlin.

Frank Bachner
1. Volleyball-Bundesliga - SCC Berlin - Generali Haching
Die Abwehr muss fliegen. Aleksandar Spirovski (l.) und Felix Fischer blocken für den SCC.Foto: p-a

Berlin - Jiri Popelka fällt aus, das macht die Sache nicht einfacher. Der Annahme- Spezialist des SC Charlottenburg leidet unter einer Daumenverletzung, gegen den VC Leipzig kann er heute (16 Uhr, Sömmeringhalle) auf keinen Fall spielen. Eigentlich wäre das nicht dramatisch. Der VC Leipzig kämpft in der Volleyball-Bundesliga gegen den Abstieg, auch ohne Popelka wäre ein Sieg des SCC normalerweise eine Routineaufgabe. Aber Routine gibt’s derzeit nicht für das Team von Michael Warm. Nicht seit dem fatalen Verlust der Tabellenführung.

Für den SCC geht es um Platz zwei

Deshalb hat dieses Spiel auch viel mit Symbolik zu tun. Rein sportlich ist alles klar: Die Gastgeber müssen 3:0 gewinnen. Genau gesagt: „Wir müssen alle restlichen Spiele 3:0 gewinnen“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. Nur so hat der SCC noch eine Chance, als Hauptrunden-Zweiter in die Play-offs einzuziehen. Der eingentlich angestrebte Platz eins ist an Friedrichshafen vergeben, das steht für Niroomand nahezu fest.

Aber gegen Leipzig will der Manager auch sehen, dass die Mannschaft am höchstmöglichen Level spielt. Hier kommt die Symbolik ins Spiel. Es geht um die Zukunft des hochklassigen Volleyballs in Berlin. Und Niroomand ist sich nicht sicher, dass das jeder im Team erkannt hat. „Der Sieg gegen Friedrichshafen war schon Beweis, dass die Spieler gesehen haben, was auf dem Spiel steht.“ Aber dann kam das 1:3 gegen Düren. „Vielleicht haben einige gemeint, nach dem Sieg gegen Friedrichshafen ist die Sache erledigt“, sagt Niroomand.

Einige Sponsoren können nicht mehr zahlen

Ist sie aber nicht, und deshalb will Niroomand eine Top-Leistung, sie soll als Geste an ihn und an die Fans dienen. Denn „die Löcher, die zu stopfen sind, werden größer“, sagt der Manager. Es gibt Sponsoren, die können aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Krise ihre Zahlungen nicht mehr erfüllen. Noch schließt Niroomand die Lücken. Aber wenn sie größer werden, kann er das nicht mehr. Wie soll er denn weitere Sponsoren gewinnen, wenn schon jetzt einige nicht zahlen können und der sportliche Erfolg ausbleibt?

Noch träumt der SCC von der Champions League

Kurioserweise könnte Niroomand sogar froh über die wechselhaften Ergebnisse sein. Je erfolgreicher sein Team spielt, umso größer werden die Ausgaben und damit die finanziellen Lücken. Sollte der SCC als Meister in die Champions League kommen, müssten allein in der ersten Runde Ausgaben zwischen 65 000 und 100 000 Euro refinanziert werden. Aber das ist Theorie. Niroomand denkt so nicht. „Die Champions League ist eine Riesenchance für uns“, sagt er. Europapokal bedeutet: Spiele in der Schmeling-Halle, Sportpolitiker, potenzielle Sponsoren und andere wichtige Menschen unter den Zuschauern, Medien, einen Fernsehauftritt und – volle Tribünen. „Wenn wir da gegen den Italienischen Meister spielen, rechne ich mit 8000 Zuschauern“, sagt Niroomand. Und finanziell ließe sich das Ganze möglicherweise so stemmen, dass der Klub zumindest ohne Verluste davonkäme. „Da könnte man sich einen Tagessponsor suchen.“

Aber erst mal muss der SCC gegen Leipzig gewinnen. „Ein Team im absoluten Abstiegskampf ist hochgefährlich“, sagt SCC-Trainer Michael Warm. Das macht die Sache ebenfalls nicht einfacher.

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