SC Charlottenburg : 15.000 Euro für 5000 Fans

Die SCC-Volleyballer ziehen gegen Friedrichshafen um und zahlen dafür drauf.

Karsten Doneck

Berlin - Nach dem ersten Satz wurden die schwarzen Vorhänge aufgezogen. Hin ter denen hatte man schamhaft die Sitzplätze im Oberring der Schmeling-Halle verborgen. Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg wollte nach seinem Umzug von der vertrauten Sömmeringhalle zum Prenzlauer Berg eine möglichst dichte Atmosphäre auf den Rängen schaffen, musste dann aber aufgrund des unerwarteten Publikumandrangs die volle Kapazität der Schmeling-Halle zur Verfügung stellen. Es war am 18. November vorigen Jahres im Heimspiel gegen Evivo Düren, als der SCC das Wagnis einging, erstmals in der Schmeling-Halle aufzutreten. 4950 Zuschauer kamen, eine neue Bestmarke für Bundesliga-Volleyball in Berlin, von „Gänsehautstimmung“ sprach SCC-Kapitän Jaroslav Skach.

Aber wohl kein Rekord von Dauer. Heute (15 Uhr) beim zweiten Gastspiel der Charlottenburger in der Schmeling-Halle gegen Meister und Pokalsieger VfB Friedrichshafen werden mehr als 5000 Zuschauer erwartet. Die Konstellation könnte besser nicht sein. Es trifft der Tabellenerste auf den Zweiten, beide Mannschaften liegen punktgleich beiein ander, getrennt nur durch das Satzverhältnis. „Friedrichshafen hat in dieser Saison schon Schwächen gezeigt, und wir wollen die Mannschaft sein, die ihnen die dritte Niederlage zufügt“, sagt Skach. Er hatte selbst mal eine Saison lang beim VfB Friedrichshafen gespielt, war dort aber fast nur Ersatz und wechselte dann nach Berlin.

Der letzte Sieg des SCC gegen den VfB liegt eine Weile zurück: Am 10. Februar 2007 gewannen die Charlottenburger den Tiebreak 18:16 und damit das Spiel 3:2. Zu den denkwürdigen Partien zwischen beiden Mannschaften zählt auch jene im Pokal-Halbfinale der Saison 2007/08, als der SCC den scheinbar übermächtigen Gegner im ersten Satz 25:13 deklassierte, dann aber stark nachließ und mit 1:3 aus dem Wettbewerb flog.

Das große Geld macht der SCC durch den Umzug in die Schmeling-Halle nicht. Gegen Düren fielen an Gebühren und Abgaben rund 15 000 Euro an. Diese Summe konnte durch die Zuschauereinnahmen nicht annähernd gedeckt werden, da die Charlottenburger bei mehreren Werbeaktionen auch zahlreiche Karten zu stark reduzierten Preisen in Umlauf gebracht hatten. „Ohne die Hilfe von Sponsoren würden wir die Sache gar nicht kostendeckend hinbekommen“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand.

Aber den SCC treiben ohnehin andere Gründe, um zumindest sporadisch die piefige Sömmeringhalle gegen die komfortablere Schmeling-Halle zu tauschen. Nach dem Bau der Großarena am Ostbahnhof fürchtet der Klub, von den dort spielenden Klubs (EHC Eisbären, Alba Berlin, Füchse Berlin) allmählich in die Ecke gedrängt und in Berlin gar nicht mehr richtig wahrgenommen zu werden. „Wir müssen auch mal etwas wagen“, sagte Niroomand vor der Saison, „um den Anschluss nicht zu verpassen.“

Gegen Friedrichshafen wird dem SCC viel Aufmerksamkeit gewiss sein. „Der Gegner zieht, von der Tabellenkonstellation her könnte es günstiger gar nicht sein“, sagt Niroomand, moniert aber, dass das Spiel auf den Anfang der Winterferien falle und Alba Berlin am gleichen Tage ein Heimspiel in der Basketball-Bundesliga habe. Eine andere Sorge konnte dem SCC-Manager indes genommen werden. Noch vor über einer Woche sagte Niroomand: „Wenn’s für uns ganz blöd kommt, dann ist um 17 Uhr auch noch das Endspiel der Handball-WM mit Deutschland.“ So blöd kommt’s dann doch nicht.

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