Serie : Kampf gegen die Lücken

Berliner Klubs im Test, Folge 3: Der SCC zieht immer mehr Zuschauer an – für den nächsten Schritt muss der Etat aber steigen.

Karsten Doneck

Die Berliner Profiklubs stehen im neuen Jahr vor schwierigen Aufgaben, auch sie sind mit der Finanz- und Wirtschaftskrise konfrontiert. Der Tagesspiegel untersucht aus diesem Anlass in einer Serie, wie die Berliner Klubs für das Jahr 2009 aufgestellt sind. Diesmal: Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg, der heute (16 Uhr, Sömmeringhalle) auf den VC Olympia trifft.

Was hat sich verändert? Aussicht auf das große Geld und volle Hallen bot sich für deutsche Volleyballer noch vor wenigen Jahren nur in Italien. Inzwischen haben andere Länder längst nachgezogen. Polen und Russland, auch die Türkei, verfügen über kapitalkräftige Ligen. „Volleyball insgesamt ist dadurch nicht billiger geworden“, sagt Kaweh Niroomand, der Manager des SCC. Kaum ein Spieler kommt noch ohne Berater zu Vertragsverhandlungen, „und die machen Transfers eben teuer“, sagt Niroomand. Von dem langjährigen Modell, seine Spieler meist aus dem eigenen Nachwuchs zu rekrutieren, ist der SCC abgekommen. Ihm drohte der Verlust der Konkurrenzfähigkeit im deutschen Spitzenvolleyball. „Wenn man unsere erste Sechs sieht, dann sind wir sicher etwas überlastig mit Ausländern“, gibt Niroomand zu.

Was muss personell passieren? Dem SCC wird schon seit Jahren zum Vorwurf gemacht, in der Mannschaft herrsche zu viel Harmonie, es würden die Reibungspunkte fehlen, selbst Trainer Michael Warm sei einfach viel zu nett. „Aus einem Michael Warm kann man nun mal keinen Peter Neururer machen“, kontert Niroomand und bestätigt das, was ohnehin alle wissen: „Vom Fachlichen her ist unser Trainer absolut unantastbar.“ Die Spieler bewegen sich in einem geordneten Umfeld, pünktliche Gehaltszahlungen und exzellente medizinische Betreuung sind selbstverständlich. Über personelle Veränderungen wird frühestens nach Saisonschluss debattiert.

Wie stellt sich der Verein wirtschaftlich auf? 850 000 Euro umfasst der Saisonetat des SCC. Das alte Leid: Der Haushalt ist, wie fast jedes Jahr, noch nicht zu 100 Prozent gedeckt. „Wir kämpfen jeden Tag darum, dass die Lücken geschlossen werden“, sagt Niroomand. Auch die Wirtschaftskrise piesackt die Charlottenburger bereits. Ein paar Unternehmen können offenbar ihre finanziellen Zusagen in den versprochenen Größenordnungen nicht einhalten. Immerhin: Das Interesse an den SCC-Volleyballern wächst, auch aufgrund neuer Marketingstrategien: Erreichte die Mannschaft noch vor vier, fünf Jahren lediglich einen Zuschauerdurchschnitt von 600 bis 700, so hat sich diese Zahl inzwischen auf knapp 1500 erhöht.

Was sind die Höhepunkte in diesem Jahr? Ganz klar: die Play-offs um die Meisterschaft. „Wir müssen ins Endspiel kommen und möglichst auch den Titel holen“, fordert Niroomand.

Wo will der Klub am Jahresende stehen? Am liebsten in der Champions League. Die verspricht dem SCC erhöhte Aufmerksamkeit. Es wäre „ein Megaschritt“, sagt Niroomand. Dem Manager würde es leichter fallen, bei potenziellen Sponsoren die Türen zu öffnen. Etatsteigerungen sind – trotz Wirtschaftskrise – nötig. Niroomand weiß, dass ein Haushalt über der Millionen-Marke „heute nichts Außergewöhnliches mehr ist, das schaffen ja auch schon Klubs aus Mazedonien, allein dank eines reichen Mannes“.

Bisher in der Serie erschienen: Füchse Berlin (12.1.) und Alba Berlin (14.1.).

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