Volleyball : Am Ende der Geduld

Der SCC steht so schlecht da wie schon lange nicht mehr – doch niemand hat eine Erklärung dafür

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Berlin - Wer von einer „desolaten Leistung“ spricht, der meint seine Kritik meist ernst. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Kaweh Niroomand seine Volleyball-Mannschaft hart anging, doch diesmal kündigte der Manager des SC Charlottenburg Konsequenzen an. 0:3 gegen Evivo Düren, und das vor der stimmungsvollen Kulisse in der Max-Schmeling-Halle, das war die wohl höchste Strafe der jüngeren Vergangenheit. Und sie brachte Niroomand endgültig ans Ende seiner Geduld. „Ich kann mich nicht erinnern, wann der SCC das letzte Mal so schlecht war“, sagte der Manager, der am Sonntag schon fast zu resignieren schien. Verunsicherung auf ganzer Linie macht sich in der Mannschaft breit – und niemand scheint eine Erklärung zu haben.

Wer Kaweh Niroomand kennt, der weiß jedoch: Resignieren wird er ganz sicher nicht. Nur was tun? „Über die Konsequenzen kann ich momentan noch nichts sagen“, erklärte der Manager. „Sicher ist aber: Es muss nun Konsequenzen geben.“ Nach der fünften Saisonniederlage wird der Kopf des Berliner Klubs handeln müssen. Denn vom ausgegebenen Saisonziel, zumindest nicht schlechter als im vergangenen Jahr dazustehen, ist der SCC weit entfernt. Rottenburg und Düren haben nun bereits zwei Siege mehr als die Berliner; und sollte es beim derzeitigen fünften Platz der Bundesliga bleiben, droht bereits im Halbfinale der Play-offs ein starker Gegner – schlimmstenfalls könnte das bereits der Meister aus Friedrichshafen sein. Durch den neuen Best-of-five-Modus, der dann in diesem Jahr erstmals angewendet wird, könnte sich die Dominanz des Serienmeisters noch erhöhen. „Friedrichshafen dreimal zu schlagen, ist irre schwer“, sagt Mittelblocker Sebastian Fuchs. Doch so weit will der 23-Jährige eigentlich noch gar nicht denken: „Die nächsten drei Spiele müssen wir unbedingt gewinnen und uns das Selbstvertrauen wieder holen.“ Gegen Wuppertal sollte am Sonntag nichts passieren, doch in der Woche darauf folgt schon der TV Rottenburg, der in der Tabelle unmittelbar vor dem SCC liegt. Beides Spiele, die in der Hinrunde unnötig verloren wurden. „Viel mehr dürfen wir uns nicht erlauben“, sagt Kaweh Niroomand.

Und das heißt, wenn auch nicht explizit ausgesprochen: Es wird langsam eng für Andrej Urnaut. Dem SCC-Trainer ist es in zwölf Spieltagen nicht gelungen, aus den vielen guten Einzelspielern eine Einheit zu formen. „Jeder Spieler bleibt unter seinen Möglichkeiten“, sagt Niroomand. „Jeder Spieler hat irgendwie seine eigenen Baustellen“, fügt Sebastian Fuchs hinzu, der sich den Leistungsunterschied zwischen Training und Spieltag trotzdem nicht so recht erklären kann.

Diese Erklärung müsste eigentlich der Trainer liefern. Der jedoch verschwand am Sonntag ziemlich schnell in den Katakomben der Max-Schmeling-Halle und war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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