Volleyball : Aufbruch aus dem Niemandsland

Bundesligist SC Charlottenburg empfängt am Mittwoch die Mannschaft aus Königs Wusterhausen, die überraschend auf Platz vier steht. Zum Team des Gegners gehören viele alte Bekannte, darunter Trainer Mirko Culic.

Karsten Doneck

Berlin - Selbst Stelian Moculescu, sonst das personifizierte Selbstbewusstsein, beschlich ein ungutes Gefühl. „Das kann ja lustig werden“, sagte der Trainer des die deutsche Volleyballszene seit Jahren beherrschenden VfB Friedrichshafen und meinte doch genau das Gegenteil. Dabei reiste seine Mannschaft weder nach Unterhaching noch nach Moers, sondern lediglich ins Berliner Umland, und zwar nach Königs Wusterhausen, um gegen die dort beheimateten Netzhoppers um Bundesligapunkte zu kämpfen. Was früher als lockerer Spaziergang galt, ist inzwischen zu harter Arbeit ausgeartet: Der VfB siegte zwar 3:1, das aber nur unter Aufbietung aller Kräfte.

Mirko Culic war Zuspieler und Trainer beim SCC

Die Netzhoppers Königs Wusterhausen, erst 2006 in die Bundesliga aufgestiegen, sind in dieser Saison aus dem Niemandsland der Tabelle aufgebrochen zu ihnen bisher unbekannten Höhen. Als aktueller Tabellenvierter werden sie inzwischen von jedem Gegner ernst genommen, auch vom Meister Friedrichshafen. Die Stärke der Mannschaft soll am Mittwoch  (19 Uhr, Sömmeringhalle) der SC Charlottenburg zu spüren bekommen. „Den SCC zu schlagen ist schwer, aber wenn wir noch einmal die Leistung wie gegen Friedrichshafen abrufen, können wir ihn zumindest lange Zeit ärgern“, sagt Mirko Culic, der Trainer.

Auch vier Spieler kommen von den Charlottenburgern

Culic kennt sich aus beim SC Charlottenburg. Erst hat er dort als Zuspieler auf dem Feld Regie geführt, dann an der Seitenlinie als Trainer die Richtung für die Spieler vorgegeben. Neun Jahre insgesamt blieb er dem SCC treu – fast schon eine Ära, eine höchst erfolgreiche dazu. Der Aufschwung der Netzhoppers in dieser Saison ist eng mit Culics Namen verknüpft – und findet auch Anerkennung beim Gegner. „Die Mannschaft hat sich sehr solide entwickelt, sie spielt einen extrem zuverlässigen Volleyball“, sagt SCC-Trainer Michael Warm. Er warnt seine Spieler besonders vor den Angriffen des Kubaners Salvador Hidalgo Oliva. Mit Sebastian Prüsener, Manuel Rieke, Matthias Böhme und Sebastian Krause stehen auch noch vier ehemalige Spieler des SCC in den Reihen von Königs Wusterhausen.

Allzu hochfliegend sind die Träume der Netzhoppers trotz der derzeit guten Platzierung nicht. „Organisatorisch und wirtschaftlich müssen wir uns noch weiter entwickeln, um höhere Ziele erreichen zu können“, sagt Culic. In dieser Saison werden sich Königs Wusterhausen und der SCC heute wohl letztmals begegnen. „Ja, leider. Da bin ich Realist“, sagt Culic. Ein erneutes Wiedersehen wäre nach dem Play-off-Modus und dem aktuellen Tabellenstand beider Mannschaften indes theoretisch noch möglich: im Finale.

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