Volleyball : Botschaft gegen die Angst

SCC-Zuspieler Skach glänzt beim 3:0 gegen Düren im Play-Off-Viertelfinale.

Karsten Doneck

BerlinZwei Eigenschaften fallen bei Heriberto Quero sofort auf. Einerseits schlägt der sprunggewaltige Diagonalangreifer des Volleyball-Bundesligisten Evivo Düren die Bälle extrem hart übers Netz. Zudem kann der Venezolaner, sofern ihm oder dem Team etwas misslingt, unglaublich leidend dreinschauen. Diese Leidensmiene zeigte Quero im Play-off-Viertelfinale gestern häufiger. Vor 1820 Zuschauern in der Berliner Sömmeringhalle bekamen die Dürener vom gastgebenden SC Charlottenburg im ersten Spiel der Serie „Best of three“ ihre Grenzen aufgezeigt: Der Tabellendritte SCC siegte gegen den Sechsten 3:0 (25:19, 25:23, 25:18). „Wir haben gleich aggressiv losgelegt und dann auch über weite Strecken den Druck aufrecht erhalten“, sagte SCC-Trainer Michael Warm.

Im zweiten Spiel am Mittwoch in Düren können die Charlottenburger den Einzug ins Halbfinale bereits perfekt machen, in dem dann wohl der Deutsche Meister VfB Friedrichshafen der Gegner wäre. Allerdings: Evivo Düren gilt als eine Art Angstgegner für den SCC. „Wann wir das letzte Mal in deren Halle gewonnen haben?“, fragte SCC-Zuspieler Jaroslav Skach. „Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern.“ Skach ist seit sechs Jahren in Berlin.

In der Sömmeringhalle waren die Rollen gestern, anfangs zumindest, vertauscht: Da jagte der SCC seinem Angstgegner erst einmal einen gehörigen Schrecken ein. Im ersten Satz zog die Mannschaft mit selbstbewussten Aktionen schnell auf 22:9 davon. Dass später, beim Aufschlag von Dürens Star Quero, der deutliche Abstand dahinschmolz, war zu verkraften. Irgendwann fand auch Quero nicht mehr das richtige Maß für seine Aufgaben und schlug einen Ball ins Aus. Sechs Satzbälle hatten die Dürener zuvor schon mannhaft abgewehrt.

Diese Standhaftigkeit machte die Gäste offenbar mutig. Im zweiten Satz musste der SCC weitaus mehr Widerstand brechen. „Es war doch klar: So ein Niveau, wie wir zu Anfang gehabt haben, das kannst du nicht das ganze Spiel über halten“, sagte Skach. Als die Dürener sogar 21:20 in Führung lagen, schien den Charlottenburgern die anfängliche Souveränität abhanden gekommen zu sein. Doch die Mannschaft fand die Balance zurück – nicht zuletzt dank Skach. „Unglaublich, wie Skach die Mannschaft immer wieder angetrieben hat. Das waren von ihm auch Botschaften an die anderen“, sagte SCC-Manager Kaweh Niroomand.

Skach, der Mannschaftskapitän, sprach seinen Teamkollegen Mut zu: „Wir haben jetzt einen Sieg und damit zwei Chancen zum Weiterkommen. Aber wir wollen die erste Chance nutzen.“ Dann würde wohl Quero wieder seine Leidensmiene aufsetzen müssen.

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