Volleyball : Ende einer Vision

SCC-Gegner Düren muss große Pläne aufgeben.

Frank Bachner

Berlin - Es gibt also noch Banken, die kein Geld verbrannt haben, kaum zu fassen. Die Kreissparkasse Düren zum Beispiel. Jedenfalls sagt das Rüdiger Hein, und ob es wirklich stimmt, ist ihm ziemlich egal. Die Sparkasse („Die hat gut verdient“) bleibt Sponsor des Volleyball-Bundesligisten evivo Düren, das ist die entscheidende Nachricht für den Geschäftsführer des Klubs. Vier Haupt-, zehn Premium- und 60 Klubsponsoren hat Düren. Das hört sich gewaltiger an, als es ist. Der SC Charlottenburg, gegen den Düren heute (16 Uhr, Sömmeringhalle) das erste Play-off-Viertelfinalspiel bestreitet, hat einen Etat von rund 850 000 Euro. „Wir liegen darunter“, sagt Hein.

Und einen höheren Etat kann sich Hein in nächster Zeit abschminken. „Wir haben eine Wirtschaftskrise, wir müssen den Gürtel enger schnallen“, sagt er. Die meisten Spielerverträge laufen am Saisonende aus, und „alle Spieler, mit denen wir verhandeln, wissen, dass sie sich einschränken müssen“. Vision 2012.

Es hatte mal eine ganz andere Vision 2012 gegeben. Die hatte Bernd Werscheck vor drei Jahren entwickelt, der frühere Manager von evivo. In dieser Vision feiert Düren 2008, 2010 und 2011 die deutsche Meisterschaft, stellt bei den Olympischen Spielen vier Nationalspieler im deutschen Team und ist auf Augenhöhe mit dem VfB Friedrichshafen. Düren war zweimal Vizemeister geworden, hatte in der Champions League gespielt, das war Stoff für große Pläne.

Die Kosten für die Champions League waren dann allerdings Stoff für eine miese Bilanz. Dürens Heimspiele liefen zwar 54 Minuten lang im Fernsehen, so lange, wie der internationaleVerband forderte. Aber die Produktionskosten musste der Klub selber bezahlen. An den Altlasten leidet Düren heute noch in der Bilanz. Dazu kommt ein Zuschauerrückgang um 20 bis 30 Prozent bei unattraktiven Heimspielen. „Zuschauereinnahmen sind für uns kein relevanter Posten“, sagt Hein. 70 Prozent des Etats werden mit Sponsorengeldern gedeckt. Immerhin: „Durch die Champions League haben wir Sponsoren bekommen, die wir sonst nicht erhalten hätten“, sagt Hein.

Möglicherweise kommen noch welche dazu, wenn Düren bis ins Meisterschafts- Finale kommen sollte. Zumindest das Viertelfinale kann das Team durchaus überstehen. Schließlich hat der SCC gegen Düren traditionell Probleme, deshalb verkündet Dürens Trainer Sven Anton genüsslich: „Die haben Angst vor uns.“ Mittelblocker Malte Holschen sekundiert: „Stell’ dir vor, die scheiden im Viertelfinale aus, daran dürfen die gar nicht denken.“

Im Hintergrund verhandelt Hein bereits mit zwei Berliner Spielern. Aber bei diesen Gesprächen bleibt er von überzogenen Forderungen verschont, darauf hat er schon geachtet. Fabian Kohl und Ricardo Galandi spielen fürs Nachwuchsteam VC Olympia.

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