Volleyball : Risikostufe zwei

Der SC Charlottenburg wagt sich erneut in die Schmeling-Halle. Die Anspannung ist groß - alles unter 3000 Zuschauern wäre eine Enttäuschung.

Anke Myrrhe
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Anders stellen. Der Einsatz von Kapitän Jaroslav Skach (am Ball) ist unsicher. -Foto: p-a

Berlin - Jeder, der dabei war, wird diesen Abend so schnell nicht vergessen. Jene, die dort mit großen Augen am Spielfeldrand saßen, genauso wenig wie jene, die unten auf dem Feld agierten. 5000 Zuschauer waren im vergangenen November gekommen, um die Premiere des SC Charlottenburg in der Max-Schmeling-Halle zu erleben – eine Zahl, die selbst die Erwartungen der größten Optimisten in den Reihen der Volleyballer übertraf. Vor allem dieser geglückte erste Versuch nach langem Zaudern war es, der den SCC dazu animierte, die Anzahl der Spiele in der größeren Halle am Mauerpark in dieser Saison auf mindestens drei zu erhöhen, beginnend mit dem ersten Heimspiel der Volleyball-Bundesliga gegen den TV Rottenburg (heute, 20 Uhr). Auch ein kompletter Umzug ist nicht mehr auszuschließen.

Seit im Februar gegen den späteren Meister VfB Friedrichshafen mit 7700 Zuschauern ein neuer Bundesliga-Rekord aufgestellt wurde, ist klar: Es gibt Potenzial für mehr, als die Sömmeringhalle fassen kann. „Und wenn du einmal in der Schmeling-Halle gespielt hast, ist es schwer, zurückzukehren“, gibt auch Kaweh Niroomand zu. Doch der SCC-Manager bemüht sich bei all der Euphorie, weiter in kleinen Schritten zu denken. Jedes Match am Mauerpark kostet den Verein insgesamt bis zu 15.000 Euro, die durch die Tickets allein nicht finanziert werden.

Der nächste kleine Schritt, nämlich drei statt zwei Hauptrunden-Spiele in der großen Halle plus alles ab dem Play-off-Halbfinale, ist riskanter als es auf den ersten Blick wirkt. Was vor allem am Leistungsgefälle in der Volleyball-Bundesliga liegt. Rottenburg ist nicht einer jener attraktiven Gegner wie Friedrichshafen oder Düren – die letzten vier Begegnungen gewann der SCC allzu deutlich. Trotzdem sollte das erste Heimspiel unbedingt in der großen Halle stattfinden. „Wenn wir dort spielen wollen, können wir nicht neun Mal gegen Friedrichshafen spielen“, sagt Niroomand, der ob des unattraktiveren Gegners heute mit deutlich weniger Zuschauern rechnet. Und dann ist da ja auch noch das entscheidende WM-Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalmannschaft, das der SCC extra unmittelbar vor der Partie gegen Rottenburg live in der Halle übertragen lässt. Dennoch ist die Anspannung groß. Denn alles unter 3000 Zuschauern wäre eine Enttäuschung und würde Niroomand wohl erneut ins Grübeln bringen, ob der geplante stetige Ausbau der Auftritte in der Schmeling-Halle, der letztlich in einen kompletten Umzug münden soll, der richtige Weg ist.

Von dessen Richtigkeit überzeugt ist einer, der diesen Weg selbst bereits gegangen ist. Füchse-Manager Bob Hanning erinnert sich noch sehr genau, wie seine Handballer vor einigen Jahren ihre Schulturnhalle verließen und allseits belächelt wurden: Im ersten Jahr kamen im Schnitt 600 Zuschauer in eine Halle, die 8500 Menschen fasst. Nicht nur weil heute 7000 kommen, bestärkte Hanning seinen Freund Niroomand von Beginn an – auch wenn die Voraussetzungen im Handball mit einer der stärksten Ligen der Welt ganz andere sind. „Der SCC muss diesen Weg unweigerlich gehen“, sagt Hanning. Er weiß auch, dass die beiden Vereine als gemeinsame Mieter in der Schmeling- Halle voneinander profitieren könnten.

Die Hallenbetreiber jedenfalls sind an einer solchen Konstellation, seit die Basketballer von Alba in der Arena am Ostbahnhof spielen, besonders interessiert. Und der Senat verlegte kürzlich eigens für den SCC einen neuen Hallenboden. Letztlich aber hängt alles an den Zuschauern.

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