Sport : Schach auf dem Wasser

Das Berlin Match Race der Segler auf dem Wannsee verlangt taktische Mittel wie beim America’s Cup

Hartmut Moheit

Berlin - Erst im Februar wird in der Alinghi Base in Valencia wieder Leben einziehen. Dann wird auch Jochen Schümann nach Spanien fliegen und mit seinem Team die Vorbereitung auf die Verteidigung der ältesten Segeltrophäe der Welt vorantreiben. „Uns war es wichtig, dass wir eine gut funktionierende Gemeinschaft sind, die dann ins Alinghi-Haus einzieht“, sagt der 51-Jährige, der vor zwei Jahren als Skipper mit der Schweizer Yacht den America’s Cup gewonnen hat.

In dieser Woche aber hat es Schümann, der seit ein paar Jahren im bayerischen Penzberg lebt, in die alte Heimat gezogen. Er ist in Berlin am Müggelsee groß geworden, weshalb ihm das Berlin Match Race auf dem Großen Wannsee besonders am Herzen liegt. Bereits fünf Mal hat der dreimalige Olympiasieger auf dem Wannsee den Bronzepokal gewonnen, doch die 14. Auflage des Match Race von heute bis zum Sonntag (Start jeweils 10 Uhr) stellt für ihn eine neue Herausforderung dar. Neben Schümann werden in Eric Doyle (BMW-Oracle, USA), Michael Hestbaek (United Internet, Deutschland), Francesco Bruni (Luna Rossa, Italien) und Sebastian Col (K-Challenge, England) Segler dabei sein, die einen großen Teil der America’s-Cup-Teams repräsentieren. Gesegelt wird vor dem Verein Seglerhaus am Wannsee in H-Booten, die zwar mit den High-Tech-Schiffen vor Valencia nichts gemein haben. Aber der Modus ist gleich: Boot gegen Boot. „Match Race ist wie Schach auf dem Wasser. Die zwei Gegner bekämpfen sich mit Standardzügen, aber die taktische Improvisation gehört ebenfalls dazu“, sagt Schümann.

Während auf dem Wannsee nur Dreimann-Kielyachten am Start sind, müssen beim America’s Cup pro Boot 17 Crewmitglieder vereint werden. „Ohne eine besondere Teamkultur, die über einen längeren Zeitraum entwickelt werden muss, sind Erfolge nicht möglich“, sagt Jochen Schümann. Wie das funktioniert, welche Werte von allen gelebt werden müssen und wofür das gesamte Team einsteht, das wird im November eine Alinghi-Delegation bestehend aus Brad But (Präsident, Taktiker und Skipper), Ed Baird (einer der drei Steuerleute) und Hamish Ross (Historiker) in fünf Yachtklubs in den USA erklären. Schümann gibt bereits jetzt einen kleinen Einblick in die Philosophie des Schweizer Teams. „Beim Cupgewinn 2003 in Auckland war die Teamstärke letztlich für uns ausschlaggebend. Die Kompetenz jedes Einzelnen haben wir auf dem Wasser umgesetzt.“ Beim Schweizer Projekt Fast 2000 hatte er das Gegenteil erlebt. „Dort wurde eine Schlüssellochpolitik betrieben, bei der nicht viel durchkam – weder von unten nach oben, noch umgekehrt.“

Mit Interesse hat Schümann deshalb die Streitereien in den vergangenen Wochen beim United Internet Team Germany verfolgt. „Dort wurden erst einmal personelle Aufräumarbeiten betrieben, die müssen einfach sein. Es ist eben nicht einfach, Leute zu finden, die letztlich alle zu hundert Prozent mitziehen“, erklärt er. Auf der Alinghi, die nun zu 70 Prozent Segler an Bord hat, die beim Cupsieg 2003 dabei waren, ist man aus diesem Stadium längst heraus. Dennoch würde sich Schümann nicht scheuen, noch einmal eine verschworene Gemeinschaft für den America’s Cup aufzubauen. „Mich reizen neue Herausforderungen immer“, sagt er dazu. Nach dem America’s Cup 2007 vor Valencia möglicherweise sogar auf einem deutschen Boot.

Bis dahin vergeht noch viel Zeit. Zunächst einmal ist Schümann stolz darauf, dass mit dem Erfolg von Alinghi das America’s-Cup-Segeln modernisiert wurde. „Wir haben jetzt durch die vielen Vorregatten mehr Wettbewerb, und damit kann auch eine Fankultur im Segeln entstehen“, sagt er. Auch das Berlin Match Race könnte davon profitieren.

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