Sport : Schach: Keine Hand frei

M. B.

Als Anatoli Karpow vor der achten WM-Partie in Manila 1978 dem Herausforderer Viktor Kortschnoi den üblichen Handschlag verweigerte, war dies der traurige Höhepunkt seiner psychologischen Kampfführung. Es herrschte Kalter Krieg auf dem Schachbrett. Kortschnoi, der zwei Jahre zuvor aus der Sowjetunion geflüchtet war, ärgerte sich damals über Karpows Unhöflichkeit so sehr, dass er erstmals in jenem Duell eine Partie verlor.

Beim Turnier im holländischen Wijk aan Zee kam es nun zu einem ähnlichen Vorfall: Vor der neunten Runde gaben sich der Russe Garri Kasparow und sein für Spanien startender Landsmann Alexej Schirow, nicht die Hand. "Es tut mir leid, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben diese schöne Tradition missachten musste", sagte Kasparow. Er begründete sein Verhalten mit einer nach wie vor fehlenden Entschuldigung von Schirow, der vor dem jüngsten WM-Kampf zwischen Kasparow und Wladimir Kramnik - offenbar zu Unrecht - Absprachen vermutet hatte. Kasparow gewann die Partie und zog an der Spitze mit Schirow gleich (beide 6,5 Punkte).

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