Sport : Schach ohne Schönheit

Beim Bankett mit Scampis, Seeteufel und tropischen Früchten kamen auch Feinschmecker noch auf ihre Kosten. Lustgewinn müssen sich Funktionäre und wichtige Anhänger des FC Bayern München derzeit auf diese Art und Weise sichern. Die Leistungen des deutschen Rekordmeisters auf dem Rasen dagegen waren am Mittwochabend ziemlich dürftig. Mehr als ein 0:0 sprang in der Champions-League-Partie gegen Boavista Porto nicht heraus. "Wir sind im Moment nicht in der Lage, Schönheitspreise zu gewinnen. Ich spüre, du musst jetzt Ergebnisse machen, und dann wird irgendwann auch wieder guter Fußball gespielt", sagte Manager Uli Hoeneß nach der unansehnlichen Partie des Titelverteidigers bei den Portugiesen.

Franz Beckenbauer zwang sich zu einer guten Miene. "Natürlich ist mir eine Partie mit Kabinettstückchen, bei der man mit der Zunge schnalzt, lieber", sagte der Bayern-Präsident. Aber auch er hielt sich an die allgemeine Sprachregelung: "Man kann das 0:0 als Erfolg werten." Trainer Ottmar Hitzfeld gab zu: "Man kann nur mit dem Ergebnis einigermaßen zufrieden sein." Andere sahen das ähnlich. "Es fehlte nur das Schachmatt für Porto", schrieb die portugiesische Zeitung "Dirio de Notcias".

Die Schuld an dem "zerhackten Spiel" (Hitzfeld) schoben die Bayern einfach dem portugiesischen Meister zu. "Die anderen haben sehr unfair gespielt", sagte Hoeneß. Hitzfeld nannte die 90 Minuten einen "Abnutzungskampf", bei dem durchdachte und zwingende Aktionen eine absolute Rarität blieben. Vor allem die Münchner trugen die Angriffe meist planlos mit hohen Bällen vor.

Erst in der Schlussphase eröffneten sich durch Roque Santa Cruz (85.) und einen Kopfball von Samuel Kuffour (90.) an den Außenpfosten sogar zwei Möglichkeiten zu einem schmeichelhaften Sieg, den Karl- Heinz Rummenigge für das Rückspiel einfordert: "In München müssen wir als Titelverteidiger das Selbstvertrauen haben, eine solche Mannschaft zu besiegen", erklärte der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern AG.

Aus kleinen Fortschritten zieht der Weltpokalsieger momentan die Hoffnung für eine Rückkehr zu früherer Klasse. "Wir haben defensiv gut gestanden", sagte Weltmeister Bixente Lizarazu nach dem zweiten Spiel in Folge ohne Gegentor. Hitzfelds Entscheidung, an der Sieger-Elf von Freiburg festzuhalten, hält nicht nur Kahn "momentan" für absolut richtig: "Wenn das Selbstvertrauen wieder vollständig hergestellt ist, kann auch jeder, der hinten dran steht, wieder ohne Probleme spielen." Kahn denkt sogar noch an ein Happy End in der Meisterschaft: "Wir werden jetzt in der Bundesliga eine interessante Aufholjagd starten."

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