Schach-WM, 8. Partie : Fehlbarer Großmeister

Schachweltmeister Viswanathan Anand vergibt durch einen Fehler ein Remis in der achten Partie. So kann Herausforderer Wesselin Topalow zum 4:4 ausgleichen.

Martin Breutigam
Unfassbar. Viswanathan Anand verspielte in der achten Partie ein Remis.
Unfassbar. Viswanathan Anand verspielte in der achten Partie ein Remis.Foto: AFP

Seit der digitalen Revolution gibt es in der Schachwelt ein eigenartiges Phänomen: Die weltbesten Großmeister bewerten ihre Spielsituation am Brett oftmals ungenauer als Millionen weniger begabte Zuschauer, die eine Partie live im Internet verfolgen, einen schnellen Computer besitzen und ein gutes Schachprogramm. Auch am Dienstagabend wusste die virtuelle Schachwelt ziemlich genau, wie Weltmeister Viswanathan Anand die achte WM-Partie gegen Herausforderer Wesselin Topalow noch remis hätte halten können. Die Computer plädierten im 54. Zug für den Königszug nach e8. Nur übersah Anand den rettenden Zug und zog seinen Läufer nach c6 – ein schlimmer Fehler. Topalow erging es wohl ähnlich. „Ich habe ein klares Remis gesehen“, sagte der Bulgare nach der Partie. Zwei Züge später reichte ihm Anand die Hand. Topalow hatte zum 4:4 ausgeglichen. Vier weitere Partien stehen in Sofia noch aus.

Obwohl Anand und Topalow viel mehr über Schach wissen, und demzufolge auch viel stärker spielen als 1921 Lasker und Capablanca in ihrem WM-Match, werden sie gleich nach der Partie mit ihren Fehlern konfrontiert. „Herr Anand, was war denn im 22. Zug mit Bauer f4 los? „Ich habe es mit f4 einfach falsch gemacht“, sagte Anand. Es war sein erster Fehler, er hatte einen einfachen Trick übersehen, mit dem ein Springer in seine Reihen eindringen konnte.

Kann Anand diesen Rückschlag verkraften?

Bleibt abzuwarten, ob Anand nach diesem Rückschlag wieder zur gewohnten Stärke zurückfindet. In der vierten Partie hatte er noch weltmeisterlich gespielt und einen tiefgründigen Angriff ausgeheckt, den selbst die besten Computerprogramme in seiner ganzen Dimension viel zu spät erkannten. Und bis zur siebten Partie schien die Matchstrategie des Weltmeisters tatsächlich aufzugehen: Mit Weiß eröffnete er Katalanisch und versuchte ohne großes Risiko, einen latenten Druck auszuüben. Mit Schwarz legte er seine letzten Partien stets trocken auf Remis an. Vielleicht ist das zu wenig, um seinen Gegner unter Druck zu setzen. Manches spricht nunmehr für den 35-jährigen Topalow – vor allem die Tendenz im Match und seine Kondition. Außerdem ist er fünf Jahre jünger als der Inder.

Andererseits hatte Anand sich auch nach seiner desaströsen Auftaktniederlage eindrucksvoll zurückgemeldet. Die neunte Partie eröffnet er am Donnerstag mit Weiß. Sollte es nach zwölf Partien 6:6 unentschieden stehen, werden vier Schnellpartien entscheiden.

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