Sport : Schach: Zu kurz gedacht

Martin Breutigam

In der Hoffnung, das Schachspiel könne für das Fernsehpublikum interessanter werden, hatte der Weltschachbund Fide vor Monaten beschlossen, die Dauer von Turnierpartien drastisch zu verkürzen. Rasch bildete sich eine Opposition gegen den Alleingang der Funktionäre. Die Weltmeister Karpow, Kasparow und Kramnik sorgten sich so sehr um die Qualität künftiger Partien, dass sie eine gemeinsame Erklärung verfassten. Beim Weltklasseturnier in Dortmund wird indes mit traditioneller Bedenkzeit gespielt, eine Partie kann bis zu sieben Stunden dauern.

Das sei gut so, meint Peter Leko, 21 Jahre alt und Weltranglisten-Siebter aus Ungarn. "Die Fide-Bedenkzeit ist Quatsch, nichts wird dadurch interessanter, alles nur schlechter", sagt Leko, ein ganzer Partieteil würde faktisch abgeschafft. "Es gibt dann nur noch Eröffnung und Mittelspiel, kein Endspiel mehr, weil man vielleicht nur noch eine Viertelstunde hat."

Mehr Zeit benötigte er in der siebten Runde, um gegen Kramnik in einem kritischen Endspiel den Weg zum Remis zu finden. Ein genauer Sidestep mit dem König sowie ein befreiender Bauernvorstoß sicherten ihm schließlich die Punkteteilung. Leko hat nun einen halben Zähler Rückstand auf die Führenden, Kramnik und Veselin Topalov (je 4,5 Punkte). Fide-Weltmeister Viswanathan Anand (2,5) ist Letzter.

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