Sport : Schachmatt

Alba entscheidet ein ausgeglichenes Spiel gegen Trier erst im Schlussviertel und gewinnt 73:61.

von

Berlin - Bryce Taylor wird normalerweise gefeiert, wenn er den Ball spektakulär in den Korb stopft. Doch diesmal waren es zwei Korbleger, nach denen der Basketballer die Muskeln spannte und unter dem Applaus der 9783 Zuschauer brüllte. Beide jedoch waren aus sehr ungewöhnlichen Winkeln getroffen – einmal war er fast schon unter dem Korb durchgetaucht, und einmal traf er aus einem Gerangel heraus mit einem Trierer Spieler. Damit brachte er Begeisterung und Tempo in ein überwiegend langsames, aber spannendes Spiel, das Alba gegen TBB Trier 73:61 (33:32) gewann.

„Wir sind heute flach aus der Kabine gekommen, ohne Energie“, sagte der Wachmacher, der nicht nur mit 18 Punkten, sondern auch mit viel Einsatz dafür sorgte, dass Alba ein ausgeglichenes Spiel in den Schlussminuten gewinnen konnte. Mit dem zweiten Bundesliga-Sieg in Folge sicherte Berlin den vierten Tabellenplatz. Doch Taylors Sorge galt schon dem Heimspiel am Dienstag gegen Vilnius, wo Alba um die letzte Minimalchance für das Weiterkommen im Eurocup spielt. „Dort müssen wir besser spielen und von Anfang an das Publikum einbeziehen.“

Gegen Trier war es lange sehr ruhig in der Arena am Ostbahnhof. Nur vor dem Spiel gab es Applaus für Triers Alba-Filiale, Gästetrainer Henrik Rödl sowie die ehemaligen Berliner Spieler Zwiener, Faßler, Dojcin, Seiferth und Saibou. Und bei Alba für Torin Francis, der nach zweieinhalb Wochen Verletzungspause wieder spielte. Dem Center fehlte aber noch die Form. Seine ersten zwei Würfe verfehlten den Ring, der US-Amerikaner erzielte nur vier Punkte. Dass er gar zwei Tapeverbände trug, diente übrigens nicht dazu, den Gegner zu verwirren, welcher Arm nun der zuletzt gebrochene und damit verwundbare war. „Ich hatte am linken Arm einen Schnitt“, erklärte er.

Auch mit zwei gesunden Armen wäre es wohl schwer für Francis gewesen, gegen die engagierte Trierer Defensive zum Korberfolg zu kommen. Nicht einen Zweipunktewurf trafen die Berliner im ersten Viertel, auch danach wurde es kaum besser. „Es war 35 Minuten wie ein Schachspiel, Trier hat das Tempo sehr gut kontrolliert und in der Verteidigung immer einen Körper vor unsere Werfer gebracht“, lobte Alba-Trainer Gordon Herbert. Auch die Berliner verteidigten besser als zuletzt, doch Philipp Zwiener bekamen sie nicht in den Griff: An alter Wirkungsstätte erzielte er 19 Punkte für die Gäste, die lange energischer wirkten. Hätte Berlin nicht sehr viel besser von der Dreipunktelinie getroffen (48 Prozent Trefferquote) als Trier (15), die Gäste wären wohl früh davongezogen.

So konnte sich bis ins Schlussviertel keine Mannschaft mit mehr als fünf Punkten Vorsprung absetzen. Danach wurde aus Schach Basketball, und Berlin kam mit mehr Einsatz, vorgelegt von Taylor und DaShaun Wood (19 Punkte), noch zum Sieg. Nicht die einzige Enttäuschung für Gästetrainer Rödl bei seiner Rückkehr. „Ich hätte gerne vielen Leuten Hallo gesagt, aber ich war so umringt, dass ich oft nur winken konnte“, sagte die frühere Alba-Spielerlegende. Und ging dann doch noch einige Hände schütteln.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar