• Schachzüge: Das "Corus-Schachturnier" in Wijk aan Zee lockt die gesamte Weltelite an

Sport : Schachzüge: Das "Corus-Schachturnier" in Wijk aan Zee lockt die gesamte Weltelite an

Womöglich hielte sich heute in Holland das Interesse am Schach in Grenzen, wäre dem Mathematiklehrer Max Euwe im Jahr 1935 nicht etwas Besonderes gelungen. Damals waren Euwe, der Herausforderer, und Alexander Aljechin, der Weltmeister, zweieinhalb Monate durch die Niederlande getingelt, um in 30 Partien den neuen Champion zu ermitteln. Kurz vor Weihnachten hatte der Außenseiter gewonnen und damit seine Landsleute begeistert.

Aljechins Niederlage kam nicht von ungefähr: Es war Alkohol im Spiel. Zu manchen Partien erschien der geniale Stratege beschwipst. Zur 21. Runde musste man ihn angeblich auf einer Wiese wecken. Auch als Aljechin den Titel zwei Jahre später zurückeroberte, hielt der Schachboom in Euwes Heimat an. So wurde 1938 das "Hochofenturnier" ins Leben gerufen, das zurzeit in Wijk aan Zee unter dem Namen "Corus-Schachturnier" zum 63. Mal läuft. Deutet man aber die Signale des Hauptsponsors, des Stahlgiganten "Corus", realistisch, so könnte es eines der letzten Turniere in dem holländischen Küstenörtchen sein. Das Unternehmen ist in einer schwierigen Phase. "Die Zukunft des Turniers ist ungewiss", sagt Turnierchef Jeroen van den Berg. Betrübliche Aussichten in einem Jahr, in dem man an Euwes 100. Geburtstag und 20. Todestag erinnert.

Immerhin haben die Veranstalter einmal mehr die gesamte Weltelite in die miefige Turnhalle De Moriaan gelockt. Garry Kasparow, der jüngst entthronte Weltmeister und Weltranglistenerste,führt nach zwei leichten Auftaktsiegen, jeweils mit den schwarzen Steinen. Hinter ihm liegen die amtierenden Weltmeister Viswanathan Anand und Wladimir Kramnik.

Die gleiche Reihenfolge weist die neueste Rangliste des Weltverbandes Fide auf - für Kramnik ein "schlechter Witz". Die Fide hat seinen famosen Wettkampf um die Braingames-WM gegen Kasparow ignoriert. Der 25-jährige Russe ist noch aus einem anderen Grund nicht gut auf den Verband zu sprechen. Dessen Präsident Kirsan Iljumschinow hat sich damit durchgesetzt, die Bedenkzeit der Partien zu verkürzen, um das Spiel für Medien interessanter zu machen. "Das ist nicht gut fürs Schach", sagt Kramnik.

Der Erfolg in Runde zwei verdeutlicht indessen, dass Kramnik ohne spezielle Vorbereitung auskommt, weil er noch von den hinter den Kulissen gebliebenen Analysen aus seinem Match gegen Kasparow zehrt: Gegen den Holländer Loek van Wely brachte er im 18. Zug eine subtile Neuerung und führte seinen freien d-Bauern thematisch zur gegnerischen Grundreihe.

Notationen

Kramnik - van Wely 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Sf3 c5 8.Le3 Da5 9.Dd2 Sc6 10.Tc1 cxd4 11.cxd4 Dxd2+ 12.Kxd2 0-0 13.d5 Td8 14.Ke1 Sa5 15.Lg5 Ld7 16.Ld3 Tdc8 17.Ke2 e6 18.Le3 exd5 19.exd5 b6 20.La6 Td8 21.Thd1 Lc8 22.Lxc8 Taxc8 23.Txc8 Txc8 24.Sd4 Lf8 25.Sb5 a6 26.d6 Tc2+ 27.Kd3 Txa2 28.d7 Sb7 29.Sc3 Tb2 30.Sd5 Tb5 31.Kc2 Lc5 32.Lh6 f6 33.Sc7 1:0.

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