Sport : Schadenfreude über die Schweden

"Goldregen über Norwegen!" Die Osloer Zeitung "Aftenposten" füllte am Sonntag gleich ihre halbe Titelseite mit der Jubelschlagzeile nach der überraschenden Siegesserie norwegischer Olympia-Teilnehmer in Salt Lake City. Und darin enthalten war noch nicht einmal das achte Gold am Sonntag durch die Langlauf-Staffel, wodurch die Skandinavier ihren Vorsprung auf Deutschland im Medaillenspiegel noch vergrößerten.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Die Mormonenstadt in den USA werde für Norwegen immer mehr zu einer "Goldgräberstadt Klondyke", schreibt das Blatt. Die drei Goldmedaillen für den Biathleten Ole Einar Björndalen und der Überraschungserfolg von Kjetil-Andre Aamodt beim Super-G weckten Erinnerungen an den Goldrausch bei den Spielen 1994 im heimischen Lillehammer. Noch größer wird die Freude dadurch, dass die Erzrivalen aus dem benachbarten Schweden wieder mal ganz unten landeten. Aus Stockholm waren vorher größere Sprüche als sonst zu hören gewesen, dass sie es den Norwegern diesmal endlich zeigen wollten. Daraus wird wohl nichts.

Wie in keinem anderen Land wird in Norwegen bei Olympischen Winterspielen mitgefiebert. Der größte TV-Sender NRK sendet kaum noch anderes im Programm und erreicht Traum-Einschaltquoten. Die sonst unantastbare Nachrichtensendung "Dagsrevyen" muss ihre normale Hauptsendezeit räumen und wird kurzerhand abgebrochen, wenn es einen Endspurt mit norwegischer Beteiligung gibt.

Björndalens Siegesläufe werden schon jetzt zu den epochalen nationalen Sporterfolgen gerechnet. "Ich verbeuge mich im Schnee vor Ole. Er hat Größeres vollbracht als ich", sagte der frühere Eisschnelllauf-König Johann Olav Koss, der es in Lillehammer ebenfalls auf drei Goldmedaillen gebracht hatte. Nach Björndalens Sieg beim Verfolgungsrennen eilte Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik sofort zum Telefon und diktierte ein Glückwunschtelegramm: "Ein unglaublicher Olympia-Einsatz. Ich gratuliere erneut."

Die Zeitung "Dagbladet" sah Björndalen als gleichrangig mit den Legenden Björn Dählie und Vegard Ulvang, die in den Neunzigerjahren den Skilanglauf beherrscht und zusammen elfmal Olympia-Gold gewonnen hatten. Dass der dreifache Olympiasieger nicht für die Staffel nominiert worden war, verärgert viele Norweger. "Es ist falsch, den Meister abzuservieren", schrieb "Aftenposten". Doch der Erfolg gab den Trainern recht. Leicht im Schatten des Biathleten stand der alpine Veteran Aamodt nach seinem zweiten Gold in Salt Lake City, auch wenn "Aftenposten" den Sieger in Kombination und Super-G als "Superburschen und größten alpinen Läufer aller Zeiten" einordnete.

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