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Schädel-Hirn-Trauma : Eisbären-Stürmer Stefan Ustorf tritt zurück

Wenn es Nacht wird, ist es am schlimmsten: Ein Schädel-Hirn-Trauma hat Stefan Ustorf verändert - körperlich, aber auch seelisch. Jetzt hat er seinen Rücktritt verkündet.

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Da jubelt er noch. Seit 2004 spielte Ustorf für die Eisbären.
Da jubelt er noch. Seit 2004 spielte Ustorf für die Eisbären.Foto: dpa

Fahl, beinahe grau ist sein Gesicht, und jetzt verzieht er es auch noch so, dass sich Falten auf die Stirn legen. Es ist Stefan Ustorfs Art, die Schmerzen zu überspielen, die er spürt, während alle um ihn herum vor Freude grölen und kreischen und singen. Tor für die Eisbären!

So absurde Züge trägt das fiese Etwas in ihm nun schon: Je mehr Tore sein Eishockeyverein schießt, desto schlechter geht es Ustorf – körperlich. Immer, wenn die schrille Musik durch die Halle dröhnt, was zuverlässig nach jedem Berliner Treffer der Fall ist, brummt sein Kopf noch ein bisschen mehr als ohnehin den ganzen Tag. Dann fährt das Karussell noch ein bisschen schneller. Deshalb schaut Ustorf so gequält und klatscht am Dienstagabend in seinem Sessel nur ganz zaghaft in die Hände, als die Berliner den Ausgleich gegen Nürnberg schießen. Früher wäre er wahrscheinlich direkt aufgesprungen. Wenn er nicht gleich selbst auf dem Eis gestanden hätte. Vorbei.

Stefan Ustorf kann das Einzige, was er in seinem Leben richtig gelernt hat, und das Einzige, was er immer wollte, nicht mehr ausüben. Am Donnerstag hat er seinen Rücktritt vom Eishockeysport bekannt gegeben. An eine Rückkehr aufs Eis sei nicht zu denken, sagte er auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Gespielt hat er ohnehin nicht mehr, seitdem er vor 14 Monaten ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. Die Verletzung also, deren Folgen schon einige Eishockeyspieler und American Footballer zum Karriereende trieb – oder in den Wahnsinn. Einige haben es irgendwann nicht mehr ausgehalten und Schluss gemacht mit ihrem Leben.

Bei Ustorf ist seit dem Dezember 2011, als sein Kopf im Spiel gegen Hannover nach einem ungebremsten, frontalen Check des Gegners erst nach hinten schnellte und dann aufs Eis knallte, nichts mehr, wie es war. Der Stefan Ustorf von damals hat nicht mehr viel zu tun mit dem Stefan Ustorf im Frühjahr 2013: „Ich würde gerne sagen, dass es anders ist, dass ich mich nicht verändert habe, weil ich mich mochte, wie ich war. Aber das stimmt nicht.“

Wie er sich körperlich verändert hat, fällt auf den ersten Blick auf. Nach langer Zeit schaut er, der in den USA lebt, mal wieder in Berlin vorbei. Untersuchungen stehen an, die er sich natürlich in eine Woche gelegt hat, in der seine Eisbären gleich dreimal zu Hause spielen. Er kommt jedes Mal und nimmt immer in der Loge seines Klubs Platz. Dem Brummen im Kopf zum Trotz.

Die Jeans und sein hellblau-kariertes Hemd, in denen er so dasitzt, schlabbern am Körper, sein Gesicht sieht fahl aus und eingefallen. Daran ändert auch die Brille nichts, die er mittlerweile braucht. Zwölf Kilogramm hat Ustorf abgenommen, alles Muskeln. Mit denen konnte er früher seine vielen Verletzungen aushalten. Heute schmerzt nicht nur der Kopf, sondern beinahe der gesamte Köper. „Ich habe Riesenprobleme. Meine Arme kann ich kaum noch bewegen“, erzählt Ustorf. Vor allem in den Schultern habe er Arthrose, die immer schlimmer werde. Das Schlimmste ist das jedoch nicht.

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