Sport : Schafes Bruder

Deutschlands Fußballer quälen sich gegen die Färöer mit späten Toren zu einem 2:0-Sieg

Marc Thylmann

Torshavn. Rudi Völler strich sich entnervt über sein Haar. Da wollte er mit seinen Bundesliga-Edelkickern einen gelungenen Saisonabschluss feiern – und dann langte es für den Vizeweltmeister gerade mal zu einem höchst dürftigen 2:0 (0:0) gegen die Färöer, die ob ihrer bescheidenen fußballerischen Mittel eher belächelt werden. Es dauerte bis zur 89. Minute, ehe Miroslav Klose den Bann brach und der Neu-Herthaner Fredi Bobic dann noch einen draufsetzte. Damit wurde mit Mühe und Not der erste Platz in der Gruppe 5 der Qualifikation zur Europameisterschaft zurückerobert, den Island Stunden zuvor durch das überraschende 3:0 in Litauen erobert hatte. Die Isländer sind am 6. September nächster Gegner der Deutschen.

Die Schafe, die auf der Wiese direkt neben dem Stadion von Torshavn weideten, ließen sich durch das Spiel nicht aus der Ruhe bringen. Allzu aufregend war das, was da lange Zeit geboten wurde, allerdings auch nicht. Die Deutschen boten auf dem tiefen und damit schwer bespielbaren Rasen nur Hausbackenes, die Färinger waren eifrig, aber harmlos. Und die Gastgeber waren vor allem darum bemüht, dem Favoriten das Siegen schwer zu machen. Mit ihrer massierten Abwehr stellten sie die oft konzeptionslos angreifenden Deutschen vor beträchtliche Probleme. Wobei der relativ schmale Platz den Gastgebern entgegenkam.

Ein Neu-Herthaner hätte noch am ehesten früh die Weichen stellen können: Fredi Bobic. Beim Unentschieden gegen die Schotten Tage zuvor in Glasgow Torschütze, fehlte ihm gestern ein Quäntchen Glück. Dabei tat einer der wenigen Vollprofis im Team der Färöer, Mikkelsen, alles, um Bobic zum Erfolgserlebnis zu verhelfen. Nach 24 Minuten wollte der im norwegischen Molde spielende Torhüter einem Mitspieler den Ball zukommen lassen, spielte ihn aber genau in die Beine des lauernden Bobic. Der schoss sofort, doch der Ball sprang vom Innenpfosten wieder ins Feld zurück. Später köpfte Bobic aufs Tor der Färinger, der Ball schien diesmal im Netz zu landen, doch der in Dänemark kickende Jon Roi Jacobsen rettete, indem er ihn in höchster Not gegen den Pfosten des eigenen Tores lenkte.

Ein Treffer wäre da sicher verdient gewesen. Dass die Spieler Rudi Völlers das Spiel bestimmen würden, war ohnehin zu erwarten. Wenngleich Michel Ballack nicht dabei war und damit im Mittelfeld der Star fehlte. Ballack, gegen die Schotten schon durch seine Wadenverletzung geschwächt und weit unter Form spielend, saß nicht einmal auf der Reservebank und wurde durch Sebastian Kehl ersetzt.

Ein anderer war zunächst dabei, freilich nur eine Halbzeit: Oliver Kahn. Eine Bindehautentzündung hatte ihm, obwohl es im Gegensatz zu den Vortagen fast windstill war, schon früh zu schaffen gemacht. Zur Pause war dann in seinem 60. Länderspiel Schluss. Für den Mannschaftskapitän, der die Binde an Christian Wörns weitergab, ging der Schalker Frank Rost zwischen die Pfosten. Geprüft wurde Rost ebenso selten wie sein Vorgänger. Die Färinger bemühten sich zwar redlich, doch spätestens im Strafraum waren sie am Ende ihrer bescheidenen Kunst. So wurde die Abwehr mit dem Herthaner Arne Friedrich kaum vor Probleme gestellt. Doch das war ohnehin erwartet worden.

Die rund 500 Fans aus Deutschland hatten allerdings auch kaum Grund, sich bei etwa zehn Grad am Spiel zu erwärmen. Wenn sie trotzdem „Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen“ sangen, dann hätte man das mit ein wenig Bosheit auch als Verhöhnung der Akteure auffassen können. Denn auf dem holprigen Rasen wurde weiterhin nur Biederes geboten. Auch Oliver Neuville, der für Miroslav Klose im Sturm neben Bobic aufgeboten wurde, passte sich dem an. Gefährlich wurde es nur, wenn Bobic am Ball war. Doch das sehnlichst erhoffte Tor wollte nicht fallen.

Völler versuchte es mit einem dritten Stürmer (Klose). Es war weiteres Pech, als Carsten Ramelow wie zuvor Bobic nur den Pfosten traf. Dann, als die Färinger mit ihren Kräften am Ende waren, erlösten Klose und Bobic mit ihren Toren doch noch die Deutschen. Grund zum Jubeln gab es trotzdem nicht.

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