Schalke 04 : Den Sieg gefühlt

Schalke 04 überzeugt gegen Chelsea in der Champions League, bleibt bei dem Remis aber ohne Treffer. Ein bisschen wie Sieger fühlen durften sich die Deutschen trotzdem.

Stefan Hermanns[Gelsenkirchen]
Schalke
Gegen die Wand. Marcelo Bordon versucht's mit Kraft gegen Chelseas Abwehr. -Foto: dpa

Der FC Schalke ist ein Verein mit ambitionierten Zielen. Dass er sich in der Champions League mit den besten Mannschaften Europas messen darf, entspricht durchaus dem eigenen Selbstverständnis. Ein bisschen Demut schadet trotzdem nicht. Stürmer Kevin Kuranyi hatte seiner Mannschaft für das gestrige Spiel gegen den FC Chelsea empfohlen, sich an Energie Cottbus ein Beispiel zu nehmen. Was Cottbus in der Bundesliga, ist Schalke in der Champions League: ein finanziell minderbemittelter Außenseiter. Das Duell mit den Privilegierten gerät da schnell zu einer Art Klassenkampf, und die Schalker spielten ihre neoproletarische Rolle gestern ausgesprochen gut. Nach vorsichtigem Beginn verbissen sie sich geradezu in das Spiel, sie dominierten den scheinbar übermächtigen Gegner, nur ihre Chancen nutzten sie nicht. Doch weil Valencia gegen Trondheim verlor, haben die Schalker es nach dem 0:0 gegen Chelsea immer noch in der Hand, erstmals das Achtelfinale des Wettbewerbs zu erreichen.

Schalkes Trainer Mirko Slomka hatte seine Mannschaft nach der 0:1-Niederlage in Cottbus auf vier Positionen verändert: Kuranyi und Ernst fehlten verletzt, Großmüller und Lövenkrands mussten auf die Bank. Gerald Asamoah, dessen Einsatz lange fraglich war, konnte zwar spielen, doch insgesamt musste Slomka acht Spieler ersetzen. Nicht einmal die Ersatzbank war voll besetzt: Statt sieben saßen dort nur fünf Spieler. Normalerweise hätte die Schalker Elf in ihrer gestrigen Besetzung gegen Chelsea keine Chance haben dürfen. Anfangs war ihr die Achtung vor dem Gegner auch deutlich anzumerken. Sören Larsen mühte sich oft vergeblich als einziger echter Stürmer gegen die gut organisierte Defensive der Engländer. Weil die Außenverteidiger nicht nachstießen, blieb das Angriffsspiel der Schalker viel zu träge.

Es war kein Zufall, dass die Gastgeber nach knapp 20 Minuten zu ihrer ersten Chance kamen, als der linke Außenverteidiger Heiko Westermann sich erstmals an der Offensive beteiligte. Chelseas Torhüter Petr Cech konnte seinen Fernschuss gerade noch abwehren. Nach der anschließenden Ecke traf Larsen nur das Außennetz. Wegen des großen Erfolges versuchte es Westermann kurz darauf ein weiteres Mal, Cech konnte seinen Schuss erneut abwehren, wieder gab es Ecke: Diesmal köpfte Bordon über das Tor. Die beste Chance vergab Westermann, als er, ebenfalls nach einer Ecke, aus drei Meter Entfernung zum Schuss kam. Belletti rettete auf der Linie.

Chelseas Abwehr wirkte bei hohen Bällen unsicher, in der Offensive beschränkten sich die Engländer auf das Nötigste. Schalkes Torhüter Manuel Neuer musste in der ersten Hälfte nur zweimal eingreifen, beide Male gegen Didier Drogba, der einmal nach einem Fehlpass von Bordon und ein weiteres Mal nach einem feinen Zuspiel von Joe Cole frei vor ihm stand. Neuer, zuletzt nicht immer sicher, zeigte in beiden Situationen seine außergewöhnliche Klasse.

Die Schalker hatten auch in der zweiten Hälfte die besseren Chancen. Mesut Özil scheiterte nach einem Konter an Chelseas Torhüter Carlo Cudicini, der nach der Pause den angeschlagenen Cech ersetzte. Der Italiener hatte auch noch Glück, als eine Viertelstunde vor Schluss Rafinhas Heber an der Latte landete und in der 88. Minute der eingewechselte Lövenkrands den Ball nur an den Pfosten setzte. Doch auch wenn die Schalker kein Tor erzielten – dank Valencias Niederlage gegen Trondheim durften sie sich ein bisschen wie Sieger fühlen.

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