Sport : Schalke 04 - Hertha BSC: Schön verloren

Stefan Hermanns

Es gibt verschiedene Arten von Auszeichnungen und Trophäen: Pokale, die zwar nicht schön sind, aber ungemein bedeutend; Pokale, die keinen sportlichen Wert besitzen, dafür wenigstens schön anzusehen sind. Und Trophäen, für die weder das eine noch das andere gilt. Zu dieser Kategorie gehört die Auszeichnung als Spieler des Tages, die der Abo-Fernsehsender "Premiere World" seit einiger Zeit vergibt. Während der Liveübertragung aus der Fußball-Bundesliga können die Zuschauer anrufen und ihren Favoriten benennen; der Akteur mit den meisten Stimmen erhält nach der Begegnung einen der Spielbälle in einer Plexiglas-Fassung und muss als Gegenleistung den Reportern des Senders für ein Interview bereitstehen.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? In der Regel gewinnt der Spieler die Gunst der Zuschauer, der die schnellsten Dribblings vollführt hat, die spektakulärsten Pässe geschlagen oder das entscheidende Tor zum Sieg seines Klubs erzielt hat. Nach der Partie Schalke 04 gegen Hertha BSC hingegen wurde mit Sebastian Deisler ein Spieler aus der Verlierermannschaft zum besten Akteur der Begegnung gewählt. 40 Prozent der Anrufer hatten für Herthas Spielmacher votiert; doch Deisler machte gar nicht erst den Anschein, als ob er sich über die ebenso hässliche wie lächerliche Trophäe sonderlich freue.

Der Ausgang der Abstimmung nährte ohnehin den Verdacht, dass der für die Annahme der Anrufe zuständige Mitarbeiter die Telefonleitung während der gesamten zweiten Halbzeit durch ein Privatgespräch mit seiner Freundin blockiert hatte. Denn Sebastian Deisler und Hertha BSC hätten sich zwar alle Auszeichnungen redlich verdient - allerdings nur, wenn das Spiel nach 45 Minuten abgepfiffen worden wäre.

Zur Pause führte Hertha 1:0 durch ein Tor Sebastian Deislers, und es sah so aus, als könnte den Berlinern im letztmöglichen Versuch zum ersten Mal ein Sieg im Gelsenkirchener Parkstadion gelingen. Trainer Jürgen Röber bezeichnete die Leistung in der ersten Hälfte als "das Beste, was wir in dieser Saison auf des Gegners Platz gespielt haben": kompakt in der Abwehr, aggressiv und vor allem konzentriert. Manager Dieter Hoeneß hatte die Mannschaft "105-prozentig diszipliniert" erlebt. "Wir haben viel miteinander gesprochen", sagte Deisler, "und schön nach vorne gespielt". Kurz: "Es ist einiges drin gewesen."

Dann aber endete es für die Herthaner doch wieder so wie vor zwei Wochen in Bremen. Sie erhielten großes Lob für ihr Spiel und verloren durch eigene Dummheit 1:3. Diesmal war es Torhüter Gabor Kiraly, der die Niederlage mit einem vermeidbaren Fehler eingeleitet hatte. Zehn Minuten nach der Pause erhielten die Schalker auf ihrer rechten Angriffsseite einen Freistoß. Allein Jörg Böhme, ein Linksfuß, stand zur Ausführung bereit. Es war also klar, dass der Ball mit einigem Schnitt auf das Tor zukommen würde. Kiraly machte in Erwartung einer Flanke trotzdem einen Schritt von der Linie weg und musste machtlos zusehen, wie der Ball in seinem Tor landete. "Da darf ich niemals rausgehen", sagte Jürgen Röber über den Stellungsfehler seines Torhüters. Der wisse auch genau, "dass es sein Fehler war". Umso ärgerlicher, weil Böhme beim 4:0 im Hinspiel ein ähnlicher Treffer gelungen war und das 1:1 für Röber "sicherlich der Knackpunkt des Spiels" war.

Der vergleichsweise frühe Ausgleich ließ das taktische Konzept der Berliner hinfällig werden. Röber hatte darauf spekuliert, dass der Vorsprung seiner Mannschaft länger Bestand haben würde: "Noch 20, 25 Minuten, dann werden die Schalker immer unruhiger und schlagen nur noch hohe Bälle vorne rein." Eine Spielweise, die der Berliner Abwehr an diesem Tag vermutlich nicht allzu viel Mühe bereitet hätte. Herthas Defensive um Dick van Burik hatte die gefährlichen Schalker Angreifer Emile Mpenza und Ebbe Sand "sehr gut im Griff", sagte Jürgen Röber. Die Tore zum Ausgleich und zum vorentscheidenden 2:1 fielen nach einem Freistoß und einem Eckball.

Fehler in der Abwehr, keine Entlastung im Sturm - "In der zweiten Halbzeit ist uns nicht mehr viel nach vorne gelungen", sagte Marko Rehmer, der beim zweiten Treffer der Schalker den Torschützen Marco van Hoogdalem nicht entscheidend hatte stören können. Das vage Thema Meisterschaft hat sich durch die Niederlage gegen die Schalker endgültig erledigt. "Wir hatten noch eine kleine Chance", sagte Sebastian Deisler. "Aber jetzt sieht es schlecht aus."

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