Schalke 04 : Schnelles Ende für Slomka

Einen Tag nach dem 1:5 in Bremen entlässt der FC Schalke seinen Trainer – Büskens und Mulder springen ein. Die Spieler können den Rauswurf von Mirko Slomka nicht nachvollziehen.

Jörg Strohschein[Gelsenkirchen]
Mirko Slomka
Mirko Slomka muss Schalke 04 verlassen. -

Am Ende ging alles ganz schnell. Auffallend schnell. Nach dem obligatorischen Auslaufen am Tag nach einem Bundesligaspiel teilte Schalkes Manager Andreas Müller am gestrigen Sonntag erst Mirko Slomka und anschließend den Spielern mit, dass der Verein und der Trainer ihre Zusammenarbeit beendet haben. Laut einer Pressemitteilung der Schalker hat dieser Entscheidung ein einstimmiges Votum des Klubvorstands zu Grunde gelegen. „Zuletzt gab es auch bei mir eine Tendenz, die Zusammenarbeit mit Mirko nach dieser Saison zu beenden“, wird Müller zitiert. „Nach dem gestrigen Spiel bei Werder Bremen ist dann bei mir die Entscheidung gereift, diesen Schritt vorzuziehen.“ Die Mannschaft wird übergangsweise von den beiden früheren Schalker Profis Mike Büskens und Youri Mulder betreut. Wer im Sommer als deren Nachfolger kommt, steht noch nicht fest.

Noch am Samstag hatte Müller bekräftigt, dass Mirko Slomka, auch am Dienstag im Heimspiel gegen Energie Cottbus auf der Trainerbank sitzen werde. Dass es anders kam, dürfte wohl auch daran liegen, dass die Schalker nach der 1:5-Niederlage bei Werder Bremen eine günstige Gelegenheit genutzt haben, das Dauerthema Slomka schnell zu beenden. „Das war Wasser auf die Mühlen derer, die mich nicht mehr als Trainer von Schalke 04 sehen wollen“, hatte Slomka nach dem Debakel in Bremen gesagt. Bereits seit einiger Zeit gab es etliche Hinweise, dass die Zusammenarbeit mit dem Trainer, der seit Januar 2006 im Amt ist und noch einen Vertrag bis 2009 besitzt, am Ende der Saison von Vereinsseite beendet worden wäre. „Es ist eine Situation entstanden, die sich nach meiner festen Überzeugung sehr negativ auf die Mannschaft ausgewirkt hätte“, begründete Müller die Entscheidung.

Slomkas Verhältnis zu Josef Schnusenberg galt schon seit längerem als zerrüttet. Der Schalker Präsident hatte mit seinen Äußerungen dazu beigetragen, dass der Trainer stets in der Kritik stand. Schnusenberg hatte sich öffentlich darüber ausgelassen, dass Schalke vielleicht mal einen Trainer brauche, der ein großes internationales Standing hat. Das konnte Slomka, der zuvor Assistent von Ralf Rangnick bei Schalke war, nicht vorweisen.

Manager Müller galt lange Zeit als Befürworter Slomkas. „Mirko hat bei uns gute Arbeit geleistet, was durch die sportlichen Erfolge dokumentiert wird“, ließ er gestern mitteilen. „Im Laufe der Saison haben wir jedoch den Eindruck gewonnen, dass die Mannschaft sich sportlich nicht entscheidend weiterentwickelt.“ In der Champions League scheiterte Schalke im Viertelfinale am FC Barcelona, in der Bundesliga liegt die Mannschaft auf dem dritten Platz. Die dürftigen spielerischen Darbietungen sprachen am Ende allerdings gegen Slomka.

Die 1:5-Niederlage bei Werder Bremen bot jetzt die Gelegenheit, „die Reißleine zu ziehen und dieser leidigen Diskussion ein Ende zu setzen“, wie es Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies ausdrückte. Denn hätte Slomka am Saisonende erneut die Qualifikation für die Champions League geschafft, hätten die Verantwortlichen große Probleme gehabt, die Entlassung des Trainers glaubhaft zu begründen. Aller Voraussicht nach hätten sie dann gegen ihren Willen mit Mirko Slomka weitermachen müssen.

Die Schalker Spieler reagierten mit Unverständnis auf die Entlassung Slomkas. „Wir verlieren einen sehr guten Trainer“, sagte Kevin Kuranyi, und auch Jermaine Jones äußerte sein Befremden: „Seit meinem ersten Trainingstag hier im Sommer wurde Slomka kritisiert. Das habe ich nicht so richtig verstanden.“ Nun sollen Youri Mulder, der bisher als Kommentator für das niederländische Fernsehen gearbeitet hat, und Mike Büskens, bis gestern Trainer der Schalker Amateure, für die letzten sechs Saisonspiele die Schalker Profis trainieren. Die beiden ehemaligen Fußballprofis, die gemeinsam mit Andreas Müller 1997 den Uefa-Cup gewannen, gelten als enge Vertraute des Managers.

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