Schalke 04 : Schnusenberg fürchtet um seinen Ruf

Schalke-Boss Josef Schnusenberg wundert sich über das Ausmaß der Reaktionen auf seine kritischen Äußerungen gegen Trainer Mirko Slomka. Der 67-Jährige wehrt sich gegen sein Bild in der Öffentlichkeit, räumt aber auch Fehler ein.

Ulli Brünger[dpa]
Josef Schnusenberg
Schalke-Boss Josef Schnusenberg. -Foto: dpa

PortoPräsident Josef Schnusenberg muss zurzeit viel erklären. Zur ohnehin schwierigen sportlichen Lage des FC Schalke 04 kommt die von ihm angeschobene öffentliche Diskussion um Trainer Mirko Slomka, die eine fatale Außendarstellung der Klubbosse nach sich zog.

Es brennt an allen Ecken und Enden, und Schnusenberg steht nicht nur bei den Fans als Brandstifter am Pranger. Der Schalke-Boss ist sich dessen bewusst. "Ich muss nun aufpassen, dass ich persönlich keinen Schaden nehme", sagte Schnusenberg vor dem Champions-League-Spiel in Porto. Darin gewährt er tiefe Einblicke in sein Befinden, erklärte Hintergründe und Motivation. Er gibt eigene Fehler offen zu und geht zugleich in die Offensive.

Schnusenberg steht zur Äußerung

"Ich stehe zu meinen Aussagen. Nur würde ich so etwas nächstes Mal anders vorbereiten. Nicht direkt an die Öffentlichkeit gehen, sondern erst mit Mirko und Andreas Müller sprechen. Das war falsch und der Zeitpunkt war unglücklich. Ich habe aber tatsächlich die Resonanz unterschätzt. Zudem bin ich ein wenig missverstanden worden", sagte Schnusenberg. Er habe niemanden attackieren, sondern auf eine "gefährliche Entwicklung" hinweisen wollen.

"Mir geht es einzig und allein um Schalke. Letztlich zählt nur der Erfolg. Das weiß auch Mirko, zu dem ich nie ein schlechtes Verhältnis hatte. Und es ist doch klar, dass ich ihm keine Jobgarantie bis 2027 geben kann, wenn wir jetzt noch fünfmal hintereinander verlieren."

Schnusenberg sieht sich falsch dargestellt

Vor allem wegen der vor einer Woche getätigten und seitdem immer wieder zitierten Aussage, vielleicht müsse Schalke doch mal einen Trainer mit "internationalem Standing" holen, sieht sich der Klubchef harter Kritik ausgesetzt. Schlimmer noch: Es entstand der Eindruck, der 67-Jährige treibe den sportlichen Niedergang voran, indem er Slomka gezielt demontiere und dem Team so ein Alibi liefere. Er gibt zu, in diesem Bereich noch dazulernen zu müssen: "Mit meiner Aussage hat sich ein Mechanismus entwickelt." Gleichzeitig verteidigt er sich: "Aber ich bin doch kein Stussmann, als der ich nun hingestellt werde."

Gleichwohl wiederholt er am Dienstag seine Aussagen in ähnlicher Form, was nach dem geschlossenen Burgfrieden nicht nur bei Müller, der ihn intern vor Tagen "zurückgepfiffen" hatte, leichtes Stirnrunzeln verursachte. Franz Beckenbauer unkte, Schalke richte sich zuweilen selber hin. Uli Hoeneß und Ottmar Hitzfeld bezeichneten Schnusenbergs Vorgehen als "stillos und unfair". Und auch das Urteil von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer im TV-Sender "Premiere" fiel vernichtend aus: "Seine Begründung, mit diesen Statements Reizpunkte setzen zu wollen, verstehe ich nicht, wenn ich vor einer Partie gegen Bayern und vor einem Achtelfinal-Rückspiel gegen Porto Reizpunkte setzen muss, dann haben die Mannschaft und der Verein nichts begriffen."

Wilmots kritisiert Schalke-Boss

Selbst Ex-Profi Marc Wilmots wurde in der "Welt" nach seiner Meinung gefragt: "Das war eine ganze schwache Aktion. Er hilft damit niemanden, sich selber nicht, dem Verein nicht, der Mannschaft nicht. Das Ganze war unbedacht und absolut sinnlos", so der Belgier. Solche Urteile hauen Schnusenberg fast aus den Schuhen. "Das ärgert mich, weil es mir nicht gerecht wird", sagt der selbstständige Steuerberater aus dem ostwestfälischen Rheda.

Vielleicht sei er manchmal zu ungeduldig, räumte Schnusenberg ein. Dank der Einnahmen aus der Königsklasse kündigte er zugleich eine "fantastische Bilanz" für das Jahr 2007 an, die weit in 2008 hinein reiche. Doch ohne sportlichen Erfolg gehen auch die Einnahmen zurück. So werde er sich weiter einmischen, aber "an der Außendarstellung feilen", verspricht Schnusenberg, betont aber auch: "Wenn ich mich verbiegen muss gegen meine Überzeugung, dann höre ich lieber auf."

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