Schalke 04 und die Polizei : „Aus der Hüfte geschossen“

"Kriegserklärung an die gesamte Bundesliga" - der angekündigte Rückzug der Polizei aus dem Stadion von Schalke 04 wird zum Politikum.

Polizisten versammeln sich im Schalker Fanblock.
Spiel mit Nachspiel. Polizisten bei der Qualifikationspartie zur Champions League zwischen dem FC Schalke und PAOK Saloniki.Foto: dpa

Einen Tag nach seiner Ankündigung, die Polizei bis auf weiteres bei Fußballspielen des FC Schalke 04 aus dem Stadion abzuziehen, hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) Kooperationsbereitschaft des Bundesligisten eingefordert. „Wir sind gesprächsbereit. Und wir wollen ja gute, sichere und stimmungsvolle Fußballspiele haben – auch auf Schalke. Und das muss man natürlich in der Zukunft anpeilen“, sagte Jäger. Dies setze aber eine Kooperationsbereitschaft des Bundesligisten voraus. „Und die kann ich zur Zeit nicht erkennen.“

Jägers Ankündigung war durch die Kritik des Vereins am Polizeieinsatz beim Champions-League-Play-off-Spiel zwischen dem FC Schalke 04 und PAOK Saloniki im August verursacht worden. Die Polizei war eingeschritten, um eine Provokation von Schalker Ultras zu unterbinden und Ausschreitungen griechischer Fans zu verhindern. Danach hatte es von Schalker Seite schwere Vorwürfe gegen den Polizeieinsatz gegeben.

Für seine Reaktion auf eben diese Vorwürfe erntete Jäger einerseits Zustimmung, andererseits aber auch Kritik. „Ich kann mir das nur so erklären, dass an Schalke ein Exempel statuiert werden soll“, sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. In den „Ruhr Nachrichten“ sprach Bosbach gar von einer „Retourkutsche zulasten von Schalke 04“ und einer „Lex Schalke“. Es sei ein Verlust an Sicherheit für die friedlichen Besucher zu befürchten, wenn die Polizei bei Ausschreitungen oder Straftaten künftig erst auf Anforderung von außerhalb des Stadions an einen möglichen Tatort herangeführt werden müsste.

Noch einen Schritt weiter ging der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landes-CDU, Peter Biesenbach. Er geißelte Jägers Vorgehen als „pubertäre Trotzreaktion“ und „Kriegserklärung an die gesamte Bundesliga“. Die Nordrhein-westfälische Polizei sei nicht Jägers „Privatarmee“, die er nach „Gutsherrenart“ führen dürfe. „Eine Entscheidung von derart großer Tragweite darf nicht aus der Hüfte geschossen werden. Zudem spielt er fahrlässig mit der Gesundheit und der Sicherheit der Fußballfans“, kritisierte der CDU-Innenexperte Biesenbach.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat die beteiligten Parteien dagegen zum Dialog aufgerufen. „Wir haben großes Verständnis für die massive Verärgerung unserer Kolleginnen und Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, die für einen mit den Verantwortlichen von Schalke 04 abgestimmten Einsatz zu Unrecht kritisiert wurden. Unterdessen haben die weit über zehn Millionen Zuschauer allein in einer Bundesligasaison das Recht auf ein sicheres Fußballerlebnis und damit auch auf die Präsenz der Polizei“, sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek. Radek ergänzte, dass die Sicherheit bei Fußballspielen nur mit einem vertrauensvollen Zusammenwirken von Polizei und Sicherheitskräften erreicht werden könne. Es sei unrealistisch, dass die Vereine aus dem Stand heraus genügend gut ausgebildetes Sicherheitspersonal stellen könnten.

Auch Heribert Bruchhagen, Vorstands-Chef von Eintracht Frankfurt, glaubt nicht daran, dass Bundesliga-Spiele künftig nur noch von privaten Sicherheitsdiensten und nicht mehr von der Polizei begleitet werden. „Es gibt Diebstähle, es gibt Scharmützel zwischen rivalisierenden Fans – es wäre ja ungewöhnlich, wenn 48.000 Menschen zusammenkommen und es nicht zu einem rechtsstaatlichen Verstoß kommen würde“, meinte Heribert Bruchhagen. „Das ist auf jeder Kirmes so. Von daher kann ich mir nicht vorstellen, dass aus der doch relativ problematischen Bundesliga-Zone auf einmal ein Eldorado der Glückseligen ohne jede Polizei-Notwendigkeit entsteht“, sagte Heribert Bruchhagen. (dpa)

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