Schalke 04 : "Wir schießen Slomka nicht ab"

Mirko Slomka steht unter Druck. Aufsichtratschef Tönnies gibt dem Schalker Trainer aber auch bei einer Niederlage in Porto eine Jobgarantie.

Slomka
Um die Zukunft von Mirko Slomka ranken sich Spekulationen. -Foto: dpa

Herr Tönnies, täuscht der Eindruck oder herrscht derzeit Chaos auf Schalke?

Dagegen verwehre ich mich. Wir müssen berücksichtigen, dass der FC Schalke 04 ein Verein ist, wie es ihn emotionaler in der Liga nicht gibt. Wir haben uns hohe Ziele gesteckt, wir haben ungeduldige Fans. Und wir haben einen Präsidenten, der alle wachrütteln und darauf hinweisen wollte, dass wir Platz drei anvisiert haben. Und wir lassen zu viele Punkte liegen, mehr ist nicht passiert.

Aber erst waren alle Verantwortlichen gegen Trainer Mirko Slomka. Seit Sonntag scheinen alle wieder für ihn zu sein. Wieso sind nach der Unterredung zwischen Trainer und Präsident alle zurückgerudert?

Wir sind doch gar nicht hingerudert. Ich habe immer gesagt, wenn es Gesprächbedarfs gibt, dann setzen wir uns zusammen. Das haben wir gemacht. Und damit ist das Thema vom Tisch.

Das scheint aber eher eine aus der Not heraus geborene Harmonie zu sein.

Klar ist, wir wollten Fehlentwicklungen aufzeigen. Nichts anderes hat Josef Schnusenberg gemacht. Wir als Aufsichtsrat haben damit ja eigentlich gar nichts zu tun. Aber ich bin unserem Präsidenten deshalb zur Seite gegangen, weil Josef darauf hinweisen wollte, dass uns im letzten Jahr ein paar Punkte gefehlt haben. Wir haben damals nicht eingegriffen und dies soll uns nicht noch mal passieren. Ich glaube, dass das richtig war.

Sie haben Mirko Slomka vorgeworfen, er nehme keinen Rat an. Glauben Sie, dass sich das nach dieser für ihn unerfreulichen Woche geändert hat?

Es geht nicht um den Rat von mir. Ich bin überhaupt kein Fußballprofessor. Josef und unser Trainer haben sich darüber unterhalten und sind zu dem Schluss gekommen, dass sie miteinander weiter arbeiten wollen, das ist das Thema. Mehr wollte ich gar nicht erreichen.

Aber Sie haben ihm doch mit Ihren Vorwürfen Sturheit unterstellt.

Es hat verschiedene Dinge wie Auswechslungen und Aufstellungen gegeben, die keiner mehr verstanden hat. Das ist der Kern der Sache. Und da wollte ich auch meine Meinung sagen, mehr nicht. Und auch der Trainer und der Präsident haben sich beide bereit erklärt, ihre persönlichen Interessen zurück zu stecken, damit wir unsere Ziele erreichen können. Jetzt sind wir auf dem richtigen Weg.

Wohl auch höchste Zeit nach drei Niederlagen in Folge. Spielt die Mannschaft künftig nicht nur erfolgreicher sondern auch attraktiver?

So nah bin ich da nicht dran. Aber eins steht fest: Wer gewinnt, hat immer Recht. Es hat schon Zeiten gegeben, da haben wir noch schlechter gespielt und standen in der Tabelle oben. Deshalb will ich endlich auch Ruhe haben, damit sich alle auf das Wesentliche konzentrieren können.

Immerhin wollen Sie doch so gut wie der FC Bayern werden?

Der Vergleich hinkt noch. Da sind wir noch nicht, aber da kommen wir hin. Wir arbeiten intensiv daran.

Sie haben jüngst auch gesagt, wenn der Himmel uns auf den Kopf fällt, dann müssten wir handeln. Könnte das schon nach dem Spiel in Porto passieren?

Der Himmel fällt nicht runter, wenn wir gegen Porto verlieren. Und wenn wir gegen Bielefeld verlieren, dann auch nicht. Wir sind jedenfalls nicht dabei, Mirko Slomka abzuschießen.

Aber wie erklären Sie sich, dass der Eindruck einer öffentlichen Demontage entstanden ist?

Josef Schnusenberg hat emotionsgeladen und ganz plötzlich den Trainer in Frage gestellt. Ob alle Äußerungen in der Öffentlichkeit glücklich waren, das weiß ich nicht. Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt. Wir müssen jetzt aber wieder zurückrudern.

Also doch. Sind denn wenigstens alle Beteiligten wach geworden?

Darauf können Sie sich verlassen. Schauen Sie sich das Training, schauen Sie sich den Trainer an. Am Mittwoch in Porto werden wir uns alle wundern, wie die Mannschaft anpackt und wie gut wir kicken.

Das Gespräch führte Jörg Strohschein.

Clemens Tönnies, 51, ist Geschäftsführer der nach ihm benannten Fleischverarbeitungsgruppe und seit 1995 Aufsichtratschef beim FC Schalke 04. Schalke spielt heute (20.45 Uhr) in Porto.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben