Schalke - Bayern : Einer schwebt über den Acker

Nach dem Pokal-Halbfinale beklagt sich Bayern über den angeblich absichtlich schlechten Schalker Rasen. Dass die Münchner dennoch gewannen, lag wieder einmal an Arjen Robben.

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
Nicht einmal der holprige Rasen konnte Arjen Robben stoppen.
Nicht einmal der holprige Rasen konnte Arjen Robben stoppen.Foto: dpa

Wie neu geboren hat sich auch Arjen Robben nicht gefühlt. Aber als die meisten müde wurden, bündelte er alle Energie, die nach mehr als hundertzehn Minuten Fußball noch in ihm steckte. „Ich habe alle Kraft zusammengenommen“, sagte er. „Vielleicht habe ich in der Verlängerung mein zweites Leben gefunden.“ Nicht zum ersten Mal machte der niederländische Flügelmann den Unterschied aus, dieses Mal mit einem unwiderstehlichen Solo, das dem FC Bayern München den Einzug ins DFB-Pokal-Endspiel am 15. Mai gegen Titelverteidiger Werder Bremen ermöglichte. Robben setzte sich gegen drei Widersacher durch und erzielte den einzigen Treffer in einem hart umkämpften Halbfinale gegen Schalke 04. Ob Gegner oder Mitstreiter – als es nach einem Kraftakt mit Überlänge darum ging, den entscheidenden Augenblick zu würdigen, waren sich in der Arena alle einig, nur die Vokabeln variierten. „Ein Weltklassetor, ein Wahnsinnstor!“.

Heiko Westermann gehörte zu denen, die Robbens großen Auftritt aus nächster Nähe erlebten. Der Kapitän des FC Schalke konnte nur staunen, wie unaufhaltsam, wie dynamisch der beste Mann auf dem Platz seinen Siegeswillen durchsetzte, als mancher sich schon mit dem Gedanken an ein Elfmeterschießen anzufreunden begann. „Ich habe alles versucht. Aber wenn Robben am Ball ist, dann ist er schwer zu halten“, sagte Westermann. „Ich habe alles riskiert und es sogar mit einer Grätsche versucht, aber ich war eine halbe Sekunde zu langsam.“ Der Schnellere hatte gewonnen. Diesem natürlichen Lauf der Dinge wollte Westermann nicht auf verbotene Weise entgegenwirken. Sein Trainer hätte sich offenbar auch einen anderen Verlauf des Zweikampfes vorstellen können. Ein so fairer Spieler wie Westermann sei „in diesem Augenblick halt der falsche Mann gewesen“. So mag es Felix Magath gesehen haben. Im Sinne des Wahren, Schönen und Guten im Fußball war Westermann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Hoeneß unterstellt Magath Absicht

Nicht einmal der holprige, einem Flickenteppich ähnelnde Rasen in der sonst so modernen Arena vermochte den Heranstürmenden an seinem Vorhaben zu hindern. Dennoch ereiferte sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß über den kläglichen Zustand des Platzes. Er unterstellte Magath in diesem Punkt sogar Absicht. Das ramponierte Grün sei „Mittel zum Zweck, um die spielerischen Defizite der Schalker Mannschaft auszugleichen“. Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga seien in dieser Angelegenheit gefordert.

Der verbale Nachhall des Pokalspiels mündete gleich in den Prolog zum Bundesligaspiel, das die beiden Klubs am 3. April schon wieder in Schalke zusammenführt – dann im Kampf um die deutsche Meisterschaft. Magath machte den Münchnern nicht viel Hoffnung. Mit Blick auf den Rasen wies er nicht nur auf den harten Winter hin, sondern berief sich auch auf die Geldnot, die Schalke sonst eher herunterzuspielen versucht. „Die finanziellen Unterschiede in der Liga wirken sich eben auch auf die Spielfläche aus, nicht nur auf den Spielerkader“, sagte er.

Ein neues Grün sollten die Schalker sich gerade noch leisten können, aber vorerst darauf zu verzichten könnte sich für sie im Kampf um einen vorderen Tabellenplatz durchaus als Sparen am richtigen Ende erweisen. Die Bayern jedenfalls platzen nicht gerade vor Vorfreude darauf, zwischen den beiden Viertelfinalauftritten in der Champions League gegen Manchester United schon wieder auf einem besseren Acker kicken zu müssen.

Für die Münchner wird es ohnehin schon schwer genug. Das Gelsenkirchener Halbfinale bildete den Auftakt zu einer Serie von Spielen höchster Priorität in drei verschiedenen Wettbewerben. Insofern tat der Pokalerfolg gegen den aktuell härtesten Ligarivalen den Bayern nicht nur mit Blick auf Berlin gut.

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