Sport : Schalke braucht was zum Anfassen Die Spieler träumen schon von der Meisterschale

Andreas Morbach[Dortm]

Zwei Monate ist es jetzt her, dass Goncalves da Silva Ailton zum letzten Mal in seiner Heimat war. Auf Kur sozusagen. Denn damals lief es nicht gut für den gedrungenen Stürmer. Er schoss keine Tore für den FC Schalke 04 und war zudem gesperrt, also schickte ihn Ralf Rangnick in einer seiner ersten Amtshandlungen auf dem Berger Feld nach Hause. Zum Ausspannen und Pferdchenstreicheln auf seiner Ranch in Brasilien. Ab nächster Woche wird Ailton wieder zwischen den Koppeln herumstreifen dürfen – dann aber als offensichtlich kurierter Mann.

Beim 1:0-Sieg in Dortmund hatte der 31-Jährige das Tor des Tages geschossen und Rangnick betonte danach: „Es ist ein anderer Toni als vor zwei Monaten. Man merkt, dass er auf Schalke angekommen ist.“ Und weil das wohl so ist, beschäftigt sich der Torschützenkönig der Vorsaison in diesen Dezembertagen nicht mehr nur mit sich selbst, sondern manchmal auch mit seinem Verein. „Wenn ich nächste Woche nach Brasilien in Urlaub fliege, dann muss Schalke Erster sein.“ Im Moment ist Schalke noch Zweiter, aber nur wegen der schlechteren Tordifferenz gegenüber Bayern München. Die Bayern spielen zur Abrundung der Vorrunde am Samstag gegen den wiedererstarkten VfB Stuttgart, Schalke am gleichen Tag gegen die Woche für Woche entsetzlicher spielenden Freiburger. Eine Konstellation, die den Schalkern am Ende den Titel Herbstmeister einbringen könnte.

Mit solch nutzlosen Auszeichnungen kennen sie sich in Gelsenkirchen allerdings aus. Ebbe Sand etwa dachte in Dortmund mal wieder an das grausam schöne Frühjahr 2001, als die Schalker sich schon als Meister feierten und dann doch noch von den Bayern abgefangen wurden. „Eines wollen wir auf keinen Fall: Meister der Herzen bleiben“, sagte der dänische Stürmer. Sein Kollege Frank Rost hütete bei jener in allerletzter Sekunde verlorenen Meisterschaft zwar noch 200 Kilometer weiter nördlich für Werder Bremen das Tor, die Lage betrachtet er aber ganz ähnlich wie Sand. „Wir können uns dann vielleicht einen Zeitungsartikel mit uns als Herbstmeister ausschneiden und in einen Rahmen hängen“, sagte der Torhüter und klang dabei eher lustlos. Schalke wolle nun mal keine gerahmte Statistik, sondern: „Wir brauchen etwas zum Anfassen.“

Eine Meisterschale zum Beispiel.

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