Sport : Schalke - Dortmund: Plane drüber

Markus Hesselmann

Dieses Spiel hatte nur einen Gewinner: Heinz Schwarz. Der Mann war dafür zuständig, dass das 116. Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund überhaupt stattfinden konnte. Im Ruhrgebiet hatte es am Samstagmorgen nämlich ausgesehen wie in Berlin. Die Wege weiß, die Straßen vereist. Doch anders als bei Hertha BSC gegen die Spielvereinigung Unterhaching im Olympiastadion war das Spiel im Parkstadion nie gefährdet. Und das ohne Rasenheizung.

Heinz Schwarz hatte vorgesorgt. Nach wiederholtem Studium der Wetterberichte hatte der Schalker Platzwart am Freitagmittag trotz Sonnenscheins und frühlingshafter Temperaturen eine Kunststoffplane über den Rasen im Parkstadion ziehen lassen. Keine leichte Entscheidung. "Der Platz muss atmen", sagt Heinz Schwarz. Die Plane darf also auch nicht zu früh ausgebreitet werden. Diesmal schützte sie den Rasen vorm Schneegestöber, das tatsächlich über Nacht übers Revier hereinbrach. "Die Plane ist besser als jede Rasenheizung", sagt Heinz Schwarz. Den Rest besorgten Schneeschipper und Eiskratzer auf den Rängen sowie der Räumdienst auf den Zufahrtstraßen - unterstützt vom Tauwetter, das mittags einsetzte. "Wir hätten das aber auch ohne Tauwetter geschafft." Darauf besteht Heinz Schwarz.

Wären doch an diesem Fußball-Sonnabend alle so entscheidungsfreudig gewesen wie Heinz Schwarz. Beim 0:0 konnte sich keiner der Revierrivalen und Meisterschaftskandidaten zum Angriff entschließen. Zu viel Respekt, zu wenig Risiko - das war der übereinstimmende Befund der Trainer Matthias Sammer und Huub Stevens. Das Motto ihrer Teams: Lieber nicht gewinnen als hier und heute verlieren. Selbst der sonst eher übermotivierte Jörg Böhme wirkte gehemmt und unkonzentriert. Bei Böhme, der erstmals nach seiner Rotsperre wieder mitmachen durfte, steckte mehr dahinter als das lähmende Derbyfieber. Nach dem Spiel schwieg Böhme dazu. Für ihn sprach Torwart Oliver Reck und erzählte von der Kritik in den Medien und dem bösen Brief eines Fans nach Böhmes Roter Karte von Cottbus. Das mache einem sensiblen Spieler wie Böhme schon schwer zu schaffen. Dafür müssten die Fans Verständnis haben.

Allerdings hat Recks Verständnis für den Kollegen auch Grenzen. "Wenn ich mir jede Fanpost zu Herzen genommen hätte, wäre ich schon längst nicht mehr hier", sagt der routinierte Torwart, der - lange als "Pannen-Olli" geschmäht - erst spät die Zuneigung der Schalker Fans gewann. Als er mit seiner Fußabwehr gegen den eingewechselten Giuseppe Reina kurz vor Schluss wenigstens das Unentschieden für Schalke rettete, da wurde Reck von den Schalker Fans sogar gefeiert. Und noch einmal stand Oliver Reck im Blickpunkt: Als er den Ball schon in den Händen hielt, rammte ihm Christian Nerlinger das Knie in den Oberschenkel. Auch diesen Angriff nahm sich Reck nicht zu Herzen. "Das war nicht so schlimm. Der Nerlinger hat einfach nur den Konter verhindert", sagte Schalkes Torwart.

Ansonsten machte nur ein Team Stimmung an diesem Karnevalssamstag auf Schalke. Der 1. FC Köln. Als das 1:0 des Aufsteigers bei Bayern München auf der Anzeigetafel erschien, waren Schalker und Dortmunder Fans sogar mal einer Meinung und sangen gemeinsam. Mehr gab es an diesem Tag für sie aber auch nicht zu feiern. Und am Ende muss sich selbst Heinz Schwarz die Frage gefallen lassen, ob sich all seine Mühe für so ein schlechtes Spiel überhaupt gelohnt hat. "Mein Job ist es, dass hier jedes Spiel stattfindet", antwortet er ungerührt. Was dann auf seinem Platz passiert, das ist nicht mehr das Problem des Heinz Schwarz.

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