Sport : Schalke erholt sich in Europa

Richard Leipold

Gelsenkirchen - Das Spiel zeigte schnell Wirkung, es machte aus Kritikern spontan Versöhnungsredner. Nach Schalkes 2:0-Sieg in der Champions League gegen Fenerbahce Istanbul sagte Hamit Altintop, dass Trainer Ralf Rangnick die Mannschaft „richtig eingestellt“ habe. Das war schon erstaunlich, denn Altintop gehört nicht zu Rangnicks Günstlingen, und Lob für den Schalker Trainer ist im Moment auch nicht in Mode.

Doch der FC Schalke 04 hat sich mit seinem ersten Saisonsieg in der Champions League wieder erholt und damit auch ihr Trainer. Der Schwabe geht gestärkt aus dieser Partie hervor, die weder für Schalkes europäische Zukunft noch für seinen Werdegang vorentscheidend war. Immerhin können die Schalker aus ihrer Position – Platz zwei in der Tabelle – aus eigener Kraft das Achtelfinale erreichen.

In der ersten Halbzeit kickten die Schalker famos, „so gut wie noch nie in dieser Saison“, sagte Rangnick. Gäbe es im Sport die Funktion eines Controllers, hätte er aber auf mangelnde Wirtschaftlichkeit hingewiesen: Schalke investierte viel, ohne einen angemessenen Erlös zu erzielen. Diese Einsicht setzte sich auch in der Chefetage durch. „Wir hätten 5:0 gewinnen müssen“, sagte Manager Rudi Assauer. Doch das 2:0 durch Ebbe Sand fiel erst in der letzten Minute.

Die beiden Platzverweise gegen die Türken wirkten in Rangnicks Augen kontraproduktiv. Nach dem zweiten Platzverweis sei es „ein sehr undankbares Spiel“ gewesen, sagte der Trainer, als ob es nichts Schlimmeres gäbe, als gegen eine Mannschaft zu kicken, der nur acht Feldspieler zur Verfügung stehen. Bei diesem Szenario habe seinem Personal die „Angst im Nacken“ gesessen. Wie Rangnick sich über die „Angst“ vor neun Gegenspielern wunderte und zugleich Verständnis dafür äußerte, so staunte sein Gegenüber Christoph Daum über das späte Aufbäumen seiner Belegschaft. „Es ist grotesk, dass wir mit acht Feldspielern fast besser gespielt haben als mit zehn“, sagte er nach dem ersten Pflichtspiel in Deutschland seit seiner Emigration. Kurz vor Schuss wäre den Türken fast der Ausgleich gelungen. Die Grenze zwischen Tränen und Triumph waren an diesem Abend für beide Seiten fließend.

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