Sport : Schalke erlöst sich selbst

Lincoln und Kevin Kuranyi treffen zum verdienten 2:0-Sieg gegen Hannover 96

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Als Lincoln in der Nachspielzeit ausgewechselt wurde, fiel er seinem Trainer Ralf Rangnick in die Arme. Der brasilianische Mittelfeldstratege des FC Schalke 04 war beim 2:0 über Hannover 96 die entscheidende Figur und half seinem Trainer, der zuletzt in der Kritik stand, aus der Verlegenheit. „Wir brauchen über das Verhältnis zum Trainer nicht zu reden“, sagte Lincoln. „Er hat uns viel Positives gesagt, er macht uns glücklich.“ Der Trainer trage keine Schuld daran, dass es in letzter Zeit nicht gut gelaufen sei. Die Schalker sind in der Fußball- Bundesliga zwar noch ungeschlagen, hatten zuletzt aber viermal nacheinander nur unentschieden gespielt. Gegen Hannover erzielte Lincoln das 1:0 (59. Minute), beim zweiten Treffer leistete er mit einem Freistoß die Vorarbeit für Kevin Kuranyis Kopfball (65.). „Die Mannschaft hat die Nerven behalten“, sagte Rangnick.

In Teilen der Öffentlichkeit war vor dem Spiel wieder über ein gestörtes Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft spekuliert worden. Vor dem Freitagstraining hatte Teammanager Andreas Müller den Mannschaftsrat einbestellt. Müller konfrontierte die Führungsspieler Ebbe Sand, Frank Rost, Marcelo Bordon und Fabian Ernst mit einem Zeitungsartikel, der am selben Tag unter der Überschrift „Spieler-Aufstand gegen Rangnix“ erschienen war. Darin hieß es, die Schalker Profis hätten heftige Kritik an Rangnick geübt. Von Müller zur Rede gestellt, bestritten die vier Spieler dies. „Es gibt von unserer Seite keine Vorbehalte gegen Ralf Rangnick“, sagte Kapitän Sand. „Wir werden zusammen versuchen, möglichst schnell wieder bessere Leistungen zu zeigen und Siege einzufahren.“

Dieses Bemühen war den Schalkern deutlich anzusehen. Gegen durchweg schwache Hannoveraner bot sich eine Fülle bester Möglichkeiten, doch was die Schalker in der ersten Halbzeit auch anstellten – sie kamen nicht zum Erfolg. Allein dreimal prallte der Ball gegen Latte oder Pfosten. Zuvor hatte Sören Larsen, der zum ersten Mal in der Startelf stand, aus sieben Metern über das Ziel hinausgeschossen. Hannover beschränkte sich darauf, den eigenen Strafraum abzuriegeln, und konnte von Glück sprechen, dass das Team zur Pause nicht deutlich zurück lag. Die einzige Schalker Schrecksekunde war auf einen Fehler Bordons zurückzuführen, den Thomas Brdaric jedoch nicht zu nutzen wusste.

Nach der Pause blieben die Schalker überlegen – mit dem Unterschied, dass sie zwei Chancen nutzten. Lincoln rückte nun in den Mittelpunkt. Zuerst drückte er eine Flanke von Mladen Krstajic mit dem Kopf zum 1:0 ins Tor. Zwei Minuten später wurde Lincoln von Verteidiger Steven Cherundolo im Strafraum gefoult. Der Brasilianer schoss den Elfmeter selbst – allerdings so schwach, dass Torhüter Robert Enke keine Mühe hatte, den Ball abzuwehren. Doch Lincoln ließ sich von diesem Fehlschuss nicht entmutigen. Wenig später bereitete er mit einem Freistoß das 2:0 vor, das Kevin Kuranyi mit seinem dritten Saisontor erzielte. Am Ende einer turbulenten Woche haben die Schalker sich selbst erlöst. „Mit diesem Spiel hat die Saison für uns erst richtig angefangen“, sagte Lincoln.

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