Schalke gegen Bayern : Weiß mit tiefschwarzen Punkten

Im winterlichen Gelsenkirchen betrachtet man das Spiel von Schalke gegen Bayern als Aufbauhilfe. Der FC Bayern wiederum setzt voll auf Angriff, neuerdings wieder mit Franck Ribéry.

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
Frustabbau bei Frost. Schalkes Trainer Magath setzte vor dem Spiel gegen die Bayern auf gründliche Präparation seiner Spieler.
Frustabbau bei Frost. Schalkes Trainer Magath setzte vor dem Spiel gegen die Bayern auf gründliche Präparation seiner Spieler.Foto: firo Sportphoto

Was für ein Stimmungsbild bringt das Publikum mit Schalke 04 in Verbindung – nach einem 0:5 gegen Aufsteiger Kaiserslautern und vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Bayern München an diesem Samstag? Das Gemälde ist weiß, weil so viel Schnee liegt, und doch von dunklen Farben geprägt. Aber wie düster genau ist das Bild abgemischt: noch dunkelgrau oder schon tiefschwarz?

Schalke geht es schlecht. So schlecht, der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies, aus gutem Grund lange ein Fan des Trainers Felix Magath, sich nach Wochen des Schweigens zu Wort gemeldet und Erklärungen angemahnt hat. Magath folgte natürlich gern der Einladung des Aufsichtsrats, der eine turnusgemäße Sitzung abhielt. Es sei doch verständlich, dass das Kontrollgremium, das nur einmal im Quartal zusammentritt, begierig sei, „vom sportlich Verantwortlichen ein paar Worte über die sportliche Situation zu hören“, sagte der Trainer, der auch Manager und Vorstandsvorsitzender ist.

Nach seinem Vortrag herrschten laut Magath vor allem zwei Gefühle vor: Übereinstimmung und Zuversicht. Die Räte seien sich mit ihm einig über den Befund, als Fünfzehnter der Tabelle sei Schalke „in einer schwierigen Situation“. Aber das sei kein Grund zur Sorge: „Wir werden das Problem lösen.“ Wie das geschehen soll, wurde nicht verraten. Das ist durchaus üblich in diesem Geschäft. Entweder kennt Magath die Lösung selbst noch nicht, oder er will seine Geistesblitze für sich behalten, um nicht leicht auszurechnen zu sein. Nur so viel hat er gesagt: „Der Klub steht besser da als vor einem Jahr.“

Alles halb so schlimm also, wäre da nicht die Absicht des Aufsichtsratsvorsitzenden, „eine Bilanz in der Winterpause“ auf die Tagesordnung zu setzen. Bilanz ist kein so hartes Wort wie „Ultimatum“ oder „Rapport" (beide Vokabeln sind in den Medien im Zusammenhang mit Magath gefallen), gehört jedoch zum Grundwortschatz, mindestens zum Aufbauwortschatz der Bundesligasprache, wenn es darum geht, jemanden in Frage zu stellen.

Tönnies wird den Begriff mit Bedacht gewählt haben. Magath sagt, er habe sich „nicht eine Sekunde“ einem Ultimatum ausgesetzt gefühlt. Ihn in eine solche Ecke zu rücken sei „völliger Quatsch“. Das mag er so empfinden, schon weil die Trennung vom Trainer und seinem Team für Schalke überaus kostspielig wäre. So klar Magath sich grundsätzlich äußert, so diffus klingen seine Antworten auf die Frage, wie der Unterschied zwischen den formidablen Leistungen in der Champions League und den mickrigen Erträgen in der Bundesliga zu erklären sei. Dem besten Saisonspiel gegen Olympique Lyon folgte nur drei Tage später das Debakel beim Aufsteiger in Kaiserslautern. Immer noch führt der Fußball-Lehrer die Schwankungen zurück auf den „Umbruch, der im Sommer begonnen hat“, so teuer er mit Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro gewesen sein mag. Es sei einfacher, in der Champions League anzutreten, „wo die Gegner mitspielen“, sagt Magath. In der Bundesliga habe Schalke „größere Schwierigkeiten“, weil die meisten anderen Mannschaften „das Kämpferische in den Vordergrund stellen“ und der Abwehr den Vorrang einräumen. Als wäre das je anders gewesen.

Der FC Bayern setzt voll auf Angriff, neuerdings wieder mit Franck Ribéry. Insofern kommen die Bayern den Schalkern wie gerufen – es ist wie ein Heimspiel in der Champions League.

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