Schalke - Hertha 2:0 : Ein Déjà-vu für Hertha BSC

Hertha BSC zeigt beim 0:2 gegen den FC Schalke 04 seine alten Schwächen. Vorne erzielen die Berliner wieder keine Tore, dafür machen sie aber hinten zu viele Fehler.

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Unhaltbar. Schalkes Torschütze Klaas-Jan Huntelaar umkurvt hier Herthas Per Skjelbred – Nico Schulz kann nur zuschauen.
Unhaltbar. Schalkes Torschütze Klaas-Jan Huntelaar umkurvt hier Herthas Per Skjelbred – Nico Schulz kann nur zuschauen.Foto: AFP

Richtig elegant sah die erste Aktion von Rune Jarstein in der Fußball-Bundesliga nicht aus. 40 Sekunden waren zwischen Hertha BSC und Schalke 04 gespielt, als der norwegische Torhüter der Berliner mit der ersten Prüfung konfrontiert war. Aus gut 20 Metern hatte Julian Draxler geschossen, der Ball flatterte ein bisschen in der Luft und ließ sich von Jarsteins Fäusten auch nur unzureichend stoppen. Doch bevor Schlimmeres passieren konnte, jagte ihn Lewan Kobiaschwili aus dem Strafraum. An Jarstein lag es nicht, dass die Berliner in Gelsenkirchen ihre vierte Niederlage hintereinander kassierten. 0:2 (0:1) hieß es am Ende.

Torhüter Rune Jarstein stand bei Hertha im Tor, weil Thomas Kraft in der Nacht auf Freitag Vater geworden war. Der Norweger war nicht der einzige Neue bei den Berlinern. Trainer Jos Luhukay hatte im Vergleich zum Spiel gegen die Bayern am Dienstag gleich sieben Änderungen vorgenommen. Tolga Cigerci kehrte nach seiner Verletzung zurück, wird nächste Woche gegen Hoffenheim aber schon wieder zuschauen müssen, weil er seine fünfte Gelbe Karte sah. Zum ersten Mal überhaupt fehlte Hajime Hosogai, der in allen 27 Saisonspielen zuvor in der Startelf gestanden hatte.

Dort fand sich etwas überraschend Sandro Wagner wieder, der gemeinsam mit Adrian Ramos in einem 4-4-2-System stürmte. Die erhoffte Wucht in Herthas Offensive wollte sich zunächst trotzdem nicht einstellen. Wagner wurde offensiv kaum auffällig. Es war, im Gegenteil, wieder Ramos, der den Schalkern richtig gefährlich wurde. Nach einer Viertelstunde wurde er von deren Innenverteidiger Kaan Ayhan perfekt bedient, doch Ramos versuchte es frei und unbedrängt vor Torhüter Ralf Fährmann mit einem Heber – der Ball flog über die Latte hinweg.

Hertha BSC war vor der Pause gegen Schalke 04 nicht chancenlos

Drei Minuten später hatten die Berliner eine Art Déjà-vu-Erlebnis: Vorne vergeben sie beste Chancen, hinten machen sie haarsträubende Fehler. So läuft es seit Wochen. Schalkes Rechtsaußen Chinedu Obasi legte den Ball mit dem Kopf über Nico Schulz hinweg, doch während Herthas Linksverteidiger stehen blieb und sich auf Kobiaschwili verließ, setzte Obasi nach. Der Nigerianer umspielte Jarstein und traf aus spitzem Winkel zum 1:0.

Es war in einem insgesamt schwachen Spiel mit etlichen Fehlern auf beiden Seiten eine der wenigen Aktionen, in denen Schalke sich in der ersten Halbzeit gegen Herthas kompakte Defensive behaupten konnte. Ayhan traf per Freistoß das Lattenkreuz, aus dem Spiel heraus gelang den Gastgebern wenig. Die Berliner, auf schnelle Konter aus, waren vor der Pause keineswegs chancenlos. Änis Ben-Hatira verfehlte mit einem Aufsetzer das Schalker Tor und setzte einen Schlenzer aus 18 Metern über die Latte.

Alexander Baumjohann kehrte nach sieben Monaten in die Bundesliga zurück

Was auch immer sich Hertha für die zweite Halbzeit vorgenommen haben mochte – es hatte sich umgehend erledigt. 28 Sekunden nach Wiederanpfiff hieß es 2:0 für die Schalker. Nachdem Wagner den Ball im Mittelfeld verloren hatte, bediente Obasi Klaas-Jan Huntelaar, und der traf ins lange Eck zum 2:0. Jarstein hatte erneut keine Abwehrchance.

Sechs Spieler standen am Freitagabend auf dem Platz, die der FC Schalke in seiner eigenen Jugend ausgebildet hat. Nach einer knappen Stunde kam der siebte. Alexander Baumjohann kehrte fast auf den Tag genau sieben Monate nach seinem Kreuzbandriss in die Bundesliga zurück – für Hertha. Luhukay brachte ihn gemeinsam mit Ronny (für Per Skjelbred und Sandro Wagner), um dem Spiel seiner Mannschaft vielleicht doch noch einmal einen Impuls zu geben. Der erwünschte Effekt aber blieb aus. Das mögliche Anschlusstor durch Sebastian Langkamp nach einer Ecke zählte nicht, der Schiedsrichter wollte ein Foul gesehen haben.

Konnte die Niederlage nicht verhindern: Herthas Ersatztorwart Jarstein.
Konnte die Niederlage nicht verhindern: Herthas Ersatztorwart Jarstein.Foto: AFP

Während sich die Schalker durch den Sieg zumindest über Nacht an Platz zwei in der Fußball-Bundesliga erfreuen dürfen, könnte es für die Berliner noch weiter nach unten gehen. Sollte die TSG Hoffenheim an diesem Samstag nicht gegen die Bayern verlieren, würde Hertha erstmals seit dem sechsten Spieltag wieder in die untere Tabellenhälfte rutschen. Der schöne Vorsprung ist fast weg.

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