Sport : Schalke - Hertha: Ein Deisler reicht nicht

Stefan Hermanns

Lange sah es so aus, als ob Hertha BSC den Tabellenführer stürzen und nach 30 Jahren endlich wieder einmal in Gelsenkirchen gewinnen könnte. Doch am Ende waren es der FC Schalke 04 und seine Anhänger, die sich in den Armen lagen. In einem begeisternden Sturmlauf machten die Gastgeber aus einem 0:1-Rückstand ein 3:1 und spielten die lange Zeit clever auftrumpfenden Herthaner am Ende fast ebenso deutlich an die Wand wie beim 4:0 im Berliner Olympiastadion. Während die Herthaner bei ihrer Achterbahnfahrt mit Heimsieg und Auswärtsschlappe wieder auf dem Weg nach unten sind, dürfen sich die Schalker berechtigte Hoffnungen machen, dem Titelverteidiger aus Bayern am Ende die Hacken zu zeigen. Zum Thema Online Spezial: Hertha BSC
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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? "Wir müssen hinten kompakt stehen", hatte Jürgen Röber vor dem Spiel als Parole ausgegeben. Wenn die Schalker daraus den Schluss gezogen hatten, Hertha werde sich hinten reinstellen und nur auf Konter lauern, so wurden sie eines Besseren belehrt. Der Hertha-Trainer hatte zwar mit Alex Alves nur eine Sturmspitze aufgeboten, was ihm schon deshalb nicht schwer fiel, weil Michael Preetz nach seiner Bronchitis noch nicht fit war. Doch Alves sorgte in der ersten Halbzeit für erhebliche Unruhe in der geschwächten Schalker Abwehr. Immer wieder gingen seine Gegenspieler äußerst ruppig gegen den Brasilianer vor.

So auch Nemec schon nach fünf Minuten. Warum er Alves am Strafraumeck so hart attackierte, blieb sein Geheimnis. Alves ließ sich noch ein wenig theatralisch fallen, und Schiedsrichter Fandel aus Kyllburg zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Spezialist für Elfmeter ist eigentlich Preetz, doch der saß noch auf der Bank. Dass Alves sich den Ball schnappte, wurde im Hertha-Lager mit Argwohn aufgenommen. Nicht nur, weil es ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass der gefoulte Spieler den Strafstoß nicht selbst treten soll. Alves schoss dann auch so unplatziert, dass Torhüter Reck den Ball relativ mühelos abwehren konnte und auch den Nachschuss des Brasilianers parierte. Was tobte da Trainer Röber.

Solch eine Situation schockt meist das Team des Fehlschützen, spornt gleichzeitig den Gegner an. Doch waren die Gastgeber Opfer des enormen Erfolgsdrucks, unter dem sie nach dem Sieg in München standen? Irritierte die Schalker, dass der Gegner im Schwarz-Gelb des Erzfeindes Borussia Dortmund antrat? "Wir sind im Mittelfeld zu drucklos", kommentierte zur Pause Schalkes Trainer Huub Steevens.

Auf den Rängen wich die Enttäuschung dem Entsetzen, als Sebastian Deisler in der 34. Minute die Herthaner in Führung brachte. Wie sich der Nationalspieler nach langem Einwurf und Kopfball-Verlängerung durch Kostas Konstantinidis durchsetzte, das imponierte. Im Fallen jagte er den Ball hoch ins Netz. Es war sein drittes Tor, ein enorm wichtiges. Ein Tor, das die Schalker noch mehr verunsicherte. Dass Gabor Kiraly vor der Pause durch eine Kopfball-Rückgabe durch Marko Rehmer noch am ehesten gefordert wurde, sagt genug über den Angriff der Schalker. Dabei haben sie mit Ebbe Sand den Bundesliga-Torschützenkönig in ihren Reihen. Doch Herthas Abwehr mit dem starken Libero Dick van Burik stand. Zu den Defensivkräften zählte auch Rob Maas, ebenso wie René Tretschok wieder einmal aufgeboten. Kostas Konstantinidis sah die fünfte Gelbe Karte und muss nun am Sonnabend im Heimspiel gegen Frankfurt pausieren.

Dass sich die Gastgeber, die die enorme Erwartungshaltung von den Rängen spürten, so schnell nicht aufgeben würden, war alsbald zu spüren. Immer mehr geriet die Hertha-Abwehr unter Druck. Und dann war es so weit. Jörg Böhme jagte von der Außenposition einen Freistoß direkt hoch ins Netz. Dieses Ausgleichstor musste sich Kiraly ankreiden. Offensichtlich hatte er eine Hereingabe und nicht einen Schuss erwartet.

Es sollte noch schlimmer für Hertha kommen. Im Dauer-Sturmlauf der Schalker erzielte Marco van Hoogdalem das 2:1 per Kopf, wobei Rehmer nicht die beste Figur machte. In der Schlussphase brachte Röber mit Preetz und Ali Daei noch zwei Stürmer, doch das Tor fiel auf der anderen Seite. Mit seinem elften Saisontor beseitigte Emile Mpenza die letzten Zweifel.

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